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Seine Majestät und der Berg

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica besteht seit 125 Jahren. Mit einem Besucherzentrum ordnet es in einer modernen Ausstellung seine Geschichte ein und für die Menschen ist es ein bundesweites Ausflugszie

Foto von Jonas Partsch

Von Carsten Korfesmeyer

2018 ist das Kaiser-Wilhelm-Denkmal nach mehrjähriger Sanierung wieder eröffnet worden. Die nach dem Krieg zerstörte Ringterrasse wurde in ihrer ursprünglichen Größe wiederhergestellt und buchstäblich im Berg gingen unter der Plattform das Restaurant „Wilhelm 1896“ sowie auch das Besucherzentrum an den Start. Seither ist das 1896 erbaute Monument noch weiter in den Blick der Öffentlichkeit gelangt. Es ist ein beliebtes Ausflugsziel, gleichzeitig ein Ort des Erinnerns. Am 18. Oktober jährt sich die Eröffnung des Barkhauser Kaiser-Wilhelm-Denkmals zum 125. Mal.

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1892 starteten die Bauarbeiten auf dem Kamm des Wiehengebirges. In den folgenden Jahren errichteten rund 200 Arbeiter das Bauwerk, das an den 1888 verstorbenen Kaiser-Wilhelm I. erinnern soll. Die Erinnerungskultur an den Monarchen war zu jener Zeit sehr ausgeprägt und noch an vielen anderen Orten entstanden zu dieser Zeit ähnliche Denkmäler. Markant ist der Ort an der Westfälischen Pforte (Porta Westfalica) schon deshalb, weil er an der Grenze zur Norddeutschen Tiefebene liegt und den Besuchern eine herrliche Aussicht über die Region bietet. Bei passender Witterung reicht diese sogar bis zum Steinhuder Meer im Landkreis Hannover.

Das Denkmal ist aus Porta-Sandstein errichtet. Es ist 88 Meter hoch und verfügt über einen Kuppelbau mit sechs Pfeilern. Das Zentrum ist die Bronzestatue, die Kaiser Wilhelm I. darstellt. Diese zeigt den Regenten mit Symbolen – beispielsweise mit Krönungsmantel und Schwert. Die Statue verfügt jedoch noch über weitere Details, die Symbolcharakter haben.

Foto von Cornelia Kniesler

Der Mantel
Gezeigt wird der Krönungsmantel, in dem der kaiserliche Adler eingraviert ist. Der Mantel wallt von der Schulter der Statue und ist das zentrale Objekt des Krönungsornates der römisch-deutschen Kaiser. Die Geschichte des Krönungsmantels reicht bis in das zwölfte Jahrhundert zurück. Er ist neben Reichskrone, Reichsapfel und Reichsschwert ein Teil der Krönungsinsignien. Vom 13. Jahrhundert an bis zum Ende des alten Reichs wurde er bei nahezu allen Krönungen verwendet. Der Mantel ist im Original mit Perlen und aufwendiger Emaille besetzt. Ausgestellt wird er heute in der Weltlichen Schatzkammer der Wiener Hofburg.

Der Lorbeerkranz
Über die Gestaltung der Kaiserstatue hatte es zwischen Kaiser Wilhelm II. und der Provinzialverwaltung einen längeren Konflikt gegeben. Während der Kaiser eine großväterliche und eher alltagsgetreue Darstellung mit Militärmantel und Helm wollte, setzte die Provinzialverwaltung auf ein barhäuptiges Standbild. Letztlich haben sich die Vorstellungen aus der Provinzialverwaltung durchgesetzt. Verzichtet wurde auf den Siegerkranz. Dafür wurde ein Lorbeerkranz gewählt – ein Symbol für besondere Ehre und Auszeichnung. Lorbeerkränze werden aber häufig mit Siegerkränzen gleichgesetzt. Dass die Kaiserstatue damit ausgestattet ist, soll eine hohe geschichtliche Bedeutung Wilhelms I. ausdrücken, wie sie beispielsweise auch in der Inschrift „Wilhelm dem Großen“ zum Ausdruck kommen soll.

Foto von Andi Piet

Die Stiefel
Die hohen Stiefel der Statue sind Teil der Uniform „Garde du Corps“, in der Kaiser Wilhelm I. dargestellt wird. Sie ist der französischen Leibgarde nachempfunden, deren Wurzeln bis in das 15. Jahrhundert zurück reichen. Im 17. Jahrhundert wurde die „Garde du Corps“ in mehreren deutschen Staaten populär – beispielsweise in Preußen bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. König Friedrich II. von Preußen hatte 1740 ein „Regiment der Gardes du Corps“ begründet. Weitere Leibgarden existierten über unterschiedlich lange Zeit in Baden, Bayern, Westfalen oder Württemberg.

Foto von Christoph Gunkel

Das Schwert
Allgemein wird angenommen, dass sich die linke Hand der Kaiserstatue auf ein Schwert stützt. Es handelt sich jedoch bei genauer Betrachtung um einen „Pallasch“ – eine Stichwaffe mit gerader Klinge auf beiden Seiten. Im Gegensatz zum Degen ist die Klinge breiter. Sie wird nach vorne immer schmaler, ist zum Stich gut geeignet und bringt es auf eine Länge von etwa einem Meter. Am Griff befindet sich ein Handschutz. Im Militär steht die Waffe als Ausdruck von höherem Rang. Beispielsweise war der Pallasch vor allem bis ins 19. Jahrhundert hauptsächlich der schweren Kavallerie vorbehalten. Auch heute ist der Pallasch als militärische Waffe in vielen Ländern ein Teil der Paradeausrüstung von Heeresoffizieren.

Die Krone
Der Kuppelbau des Kaiser-Wilhelm-Denkmals ist ein auf sechs Pfeilern gestützter Baldachin. Darauf befindet sich eine Krone mit einem goldenen Kreuz, die der Kaiserkrone von 1871 nachempfunden ist. Zur Gründung des Deutschen Reichs nach dem deutsch-französischen Krieg kam die alte Reichskrone als Symbol nicht mehr in Betracht. Außerdem sollte eine theologische Abgrenzung her, denn die bisherige Krone stand zu sehr für den katholischen Glauben und war für die protestantische Ausrichtung des Kaiserreiches ungeeignet. Es kam zu einer neuen Krone, die sich optisch bewusst von der Vorgängerin absetzte. An der christlichen Botschaft wurde aber generell festgehalten. Das goldene Kreuz auf dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal symbolisiert das.

Foto von Jan Felix Horst

„Wilhelm dem Großen – die Provinz Westfalen“
Einen längeren Konflikt hatte es auch hinsichtlich der Inschrift gegeben. Während Architekt Bruno Schmitz das Volk Westfalens erwähnt haben wollte, war die Provinzialverwaltung der Ansicht, die Provinz Westfalen als eine Verwaltungseinheit darzustellen. Die zunächst geplante Bezeichnung „Wilhelm I. – Dem Siegreichen“ erschien dem Architekten darüber hinaus als Ausdruck tiefsten Byzantinismus. Letztlich einigte man sich auf die Worte „Wilhelm dem Großen – Die Provinz Westfalen“ und verzichtete auf die zwischenzeitlich angedachte Version „Die dankbare Provinz Westfalen“. In den Konflikt hatte sich auch Kaiser Wilhelm II. mit eingemischt. Mit dem gefundenen Kompromiss war er letztlich zufrieden.

Die Gedenktafel und die Fackel
Zur Erinnerung an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs ist im Jahr 1921 eine Gedenktafel am Kaiser-Wilhelm-Denkmal errichtet worden. An die Opfer des Zweiten Weltkriegs erinnert eine Fackel, die im Jahr 1953 hinzugekommen ist.

Foto von Guido Dietz

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal heute
Die Deutsche Geschichte ist seit dem Bau des Denkmals bekanntlich mit vielen Entwicklungen und dunkelsten Momenten konfrontiert gewesen. Das alles darf bei der heutigen Einordnung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals nicht außer Acht gelassen werden. Bei der Neugestaltung der Ringterrasse und der damit verbundenen erheblichen Aufwertung des Monuments ist der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Eigentümer deshalb darauf bedacht gewesen, das Bauwerk entsprechend darzustellen. In einer modernen Ausstellung im Besucherzentrum informiert der LWL seine Gäste ausführlich über die Geschichte und auch die Ereignisse, die mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica verbunden sind und waren. Heute steht es in allererster Hinsicht für ein Ausflugsziel. Nach dem Völkerschlachtdenkmal in Leipzig ist es das zweithöchste Denkmal Deutschlands, das jährlich von mehr als 100.000 Menschen besucht wird.