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GWD Minden: Handball in Coronazeiten stellt die Bundesliga vor enorme Herausforderungen

Der etwas andere Saisonauftakt

GWDFotos: Marcus Riechmann

Nach wenigen Spielen ist es oft wahrlich nicht so leicht, einen Saisonstart reell zu beurteilen. Schon gar nicht in einer solchen Handballserie, die durch die Corona-Pandemie extremst beeinflusst ist. Das gilt aber nicht nur für die sportliche Leistung der Mannschaft. Das gilt auch für die anderen Umstände. Die Umstände, die Besucher, Fans und Gäste betreffen. „Ihr fehlt!“ möchte man den vielen leeren Sitzen in der Halle zurufen.

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Obwohl die „nur“ ein paar Hundert Zuschauer auch ordentlich Rabatz machen können. Das ist dann wieder ein Vorteil der Halle in Lübbecke – sie ist viel lauter. Das liegt auf der einen Seite natürlich auch an der Größe – da fehlen eben ein paar Plätze gegenüber der Kampa-Halle in Minden. Auf der anderen Seite ist es die Bauweise und das verwendete Material.

Wenn man sich die Ränge in den Fernsehübertragungen so anschaut, könnte man glatt davon ausgehen, dass die Abstandsregel fast durchweg gebrochen wird. Das täuscht. Dem ist nicht so. Klar, die ein oder andere Gruppe möchte dann schon „enger“ zusammensitzen und probiert es auch. Der Sicherheitsdienst macht aber sofort einen Strich durch die Rechnung. Das ist absolut richtig so. Schon beim Gang in die Halle wird deutlich in welcher Zeit wir leben: bei jedem Besucher wird an der Stirn vom DRK Fieber gemessen. Und das selbstverständlich beim Gang in die Halle bis zum Sitzplatz ein Mund-/Naseschutz getragen werden muss, dürfte nur allzu logisch sein. Ich selber wollte zeitig zur Pause vor die Tür und bin ohne aufgesetzte Maske aufgestanden – da bekam ich von der Security schon einen freundlichen, aber bestimmten Hinweis. Auch das ist absolut richtig so.

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Fotos: Marcus Riechmann/

Gastro in der Halle? Fehlanzeige. Das gehört eben auch zum Schutzkonzept. Auf das Pausenbier oder -wasser, eine Bratwurst oder ein Stück Pizza müssen wir verzichten. Das gilt auch für die Sponsoren und VIPs. Wobei diese zumindest einen kleinen Ausgleich bekommen. Statt lecker warmes Essen und Getränke aus Gläsern hat sich der Verein für sie was einfallen lassen – es gibt „Fanfutter“. Das ist eine Papiertüte gefüllt mit Käsestick, Gummibärchen, Schokoriegel, einer kleinen Tüte Chips, Minisalami sowie je einer Plastikflasche Wasser und Apfelschorle.

Dass es mit den sportlichen Erfolgen zu Beginn der Serie schreiben wir mal „schwierig“ werden könnte, war mit dem Spielplan für GWD Minden von Anfang an klar. Fürchterlich hohe Klatschen gab es dann ja auch nicht. Die Mannschaft braucht(e) aber Zeit sich zu finden. So ein paar Sachen sind mir in der Vorbereitung und in den ersten Saisonspielen dann aber schon extrem aufgefallen. Warum gibt’s in so einigen Spielsituationen völlig unvorbereitete Würfe? Sogar in Überzahl? Oft eben auch von so eminent wichtigen Spielern wie Juri Knorr und Christoffer Rambo? Warum gibt’s teilweise desolate Würfe mutterseelenallein frei vorm Torwart? Hier hat Rechtaußen Kevin Gulliksen ziemlich oft die Seuche an den Händen. Wenn nur diese beiden Dinge „abgestellt“ werden können, ist schon eine Menge erreicht. Das zu zeigen geht im November fünfmal: am 1. in Kiel, am 12. gegen den Bergischen HC, am 15. in Coburg, am 21. gegen die Rhein Neckar Löwen und am 26. bei den „Eulen“ in Ludwigshafen.

GWD
Fotos: Carsten Dehne

GWD Minden besiegt in der Bundesliga innerhalb einer Halbserie den THW Kiel und die SG Flensburg/Handewitt. Das ist keine Geschichte der 70er oder 90er Jahre, das ist kein Märchen aus 1001 Nacht – das ist aktuell! Die GWD-A-Jugend macht es möglich. Entsprechend freut sich darüber Trainer Sebastian Bagats: „Die aktuelle Situation ist sehr gut. Wir haben die Hälfte der zu spielenden Spiele in der Vorrunde alle äußerst überzeugend gewonnen. Das engste Spiel gegen Flensburg konnten wir mit sechs Toren gewinnen, was die Qualität dieser Mannschaft andeutet.“ Es ist aber eben nicht „nur“ eine Mannschaft auf dem Feld – die Jungs besitzen ein tolles Mannschaftsgefüge, bestechen durch Zusammenhalt und haben eine überragende Stimmung im Team.

Sebastian Bagats hofft inständig, dass die Serie zu Ende gespielt werden kann: „Wir haben eine richtig gute Mannschaft, die es sich wirklich verdient hat, bis zum offiziellen Ende der Saison, was einer wiederholten Qualifikation und Spielen um die dt. Meisterschaft bedeutet, zu spielen. In der letzten Saison wurde den Jungs schon die Chance genommen, um die Deutsche Meisterschaft zu spielen.“ Im Schnitt werfen die Jungs aktuell 35 Tore (!) pro Spiel. Ihre individuelle Qualität ist klasse – da sollte doch in den kommenden Jahren auch was davon in der Bundesliga ankommen…