Kultur

Producer Silez aus Porta Westfalica setzt bei seinem Debütalbum „Ich? Anders!“ auf clubtauglichen Latinoflavour

Silez: „Man kann träumen, aber auch daran glauben.“

SilezImpactMedia Jonas Siekermann

Von Andrea Williams

Silez (30) aus Porta Westfalica möchte seine tanzbare Musik quer durchs Land verbreiten. Auf seinem Debütalbum „Ich? Anders!“ verbindet er in elf Tracks gekonnt Elemente des Electro-House mit R’n’B, Dancehall und Rap. Als Producer ist er mit seiner Firma Silez ENT für weitere lokale Künstler tätig. news – Das Magazin traf den Musiker, dessen Idol Will Smith ist, zwei Stunden vor seinem Release zum Interview.

Heute erscheint dein Debütalbum. Wie wirst du das feiern?
Im Anschluss unseres Interviews gehe ich in mein Homestudio, um weiterzuarbeiten.

Keine Party?
Ich arbeite 24/7, ohne Witz. Ich komme von der normalen Arbeit, und dann geht es weiter. In letzter Zeit ging sogar mein Urlaub für die Musik drauf. Mein Album „Ich? Anders!“ ist von Ground Zero mit diesen beiden Händen entstanden. Es steckt sehr viel Emotion und Energie darin: Blut, Schweiß und Tränen – wie man so schön sagt.

Momentan erhalte ich sehr viel Input und gutes Feedback. Damit hatte ich in der Form gar nicht gerechnet.

Wie würdest du deine Musik beschreiben?
Sie ist minimalistisch, tanzbar, und eigentlich macht sie immer gute Laune. Ich habe nur ein, zwei Tracks, die ein bisschen aggressiver sind.

Und was erwartet die Hörer inhaltlich?
Man muss bei mir zwischen den Zeilen lesen. Der Track „Panzer“ ist dafür das beste Beispiel. Ich fahre natürlich keinen Panzer, aber der Beat rollt und bounced wie einer, wenn man den Bass im Auto oder im Club hört. Ich setze auf viele Wiederholungen, damit die Songs schnell ins Ohr gehen. Die Texte sind einfach gehalten. Und meine Latino Ader spielt natürlich auch eine Rolle. Wenn ich diese halbportugiesische Ader nicht hätte, würden meine Beats vermutlich nicht so klingen. Ich versuche mit dem Release ein wenig, diesen Musikstil hier in Deutschland ankommen zu lassen.

Wer durfte das Album zuerst komplett durchhören, der an der Produktion nicht beteiligt war?
Das waren tatsächlich meine Mama und ihr Freund. Dazu muss man wissen, dass ich als Jugendlicher ganz schlimm war. Aufmüpfig bis nach Meppen. Meine arme Mama! Das hat sich zum Glück verändert. Sie und ihr Freund unterstützen mich und feiern meine Musik, obwohl man denken könnte, dass das gar nichts für sie ist. Ansonsten schickte ich mein Album alten Freunden zu. Ihr positives Feedback hat mich sehr gefreut.

Dein Album handelt von Partymachen, Frauen etc. Auf dem Cover posierst du mit Baseballschläger und dicken Karren. Wie passt das zusammen? Möchtest du damit eher Männer ansprechen?
Ich mache Musik für alle. Das Cover irritiert einige. Dabei muss man zwischen den Zeilen lesen. Das Foto wirkt wie das typische Gangster-Image, aber ich mache mich darüber eher lustig. Dieses Gangster-Gehabe kann cool sein, ist aber wie bei vielen anderen nur eine Rolle. Es gibt keine echten Gangster in Deutschland. Die wird es auch nicht geben.

Aber es gibt kriminelle Musiker …
Natürlich, aber diese OGs, die Mafia früher in Amerika, waren richtige Gangster. Die haben das kein Stück gespielt. Natürlich gibt es in Deutschland kriminelle Musiker, deren Story aufgebauscht wird, damit das Label den Charakter erhält, den es vermarkten kann. Meinen Charakter möchte ich gerne selbst gestalten.

Ich finde es schade, dass viele Künstler eine andere Persönlichkeit entwickeln könnten, sich aber auf das Gangster-Image versteifen, weil es gerade in ist.

Wie bist du dein Album angegangen?
Es ist im Laufe eines Jahres neben meinen anderen Projekten entstanden. Dabei konnte ich mich komplett austoben und zu meinem Style finden. Von Autotune habe ich mich inzwischen verabschiedet, auch wenn er noch auf vier Tracks zu hören ist.

Hast du bewusst auf Features verzichtet?
Nach einem halben Jahr Produktion stellte ich fest, dass ich bereits so viele eigene Tracks und Beatideen habe, dass ich keine Features benötige. Je mehr Leute an einem Projekt beteiligt sind, desto mehr Fehler können passieren beziehungsweise desto mehr muss man sich auf andere verlassen. Es ist allerdings nicht immer schlecht, für andere Kompromisse einzugehen.

Wieso hast du dich für „Chap! Chap!“ als erstes Video entschieden?
Das ist für mich der Track, wo meine Stimme am rawsten klingt. Vom Beat her war es zudem der Aggressivste neben Panzer. Der Track sollte ein bisschen den „Wow“ Effekt auslösen.

Werden weitere Videos folgen?
Ja, doch diese möchte ich für den Flavour lieber im Ausland drehen. Für ein cooles Sommervideo brauchst du eine geile Kulisse und coole Leute mit Rhythmus im Hintern. Auf YouTube kommt demnächst vom Mashup-Künstler Altan Ariyan ein zweites Video mit meiner Musik.

Worauf hast du bei der Produktion besonders viel Wert gelegt?
Es sollte nicht zu schimpfwortlastig werden, vergleichbar mit der Wortwahl eines Arbeitszeugnisses, wo Negatives nett umschrieben wird. Ich finde Slang cool, aber feiere es nicht, wenn Teenager so reden. Klar ist es kredibiel und authentisch, wenn manche ein paar unverständliche Sätze hintereinander kicken, weil es gerade auf den Flow passt. Ich lasse auch mal Wörter aus. Aber im Großen und Ganzen ist es schön, Texte zu verstehen.

Bist du lieber im Studio oder auf der Bühne?
Safe auf der Bühne. Ich habe Bühnenerfahrung und spielte als Kind an der Schule bei Musicals wie „König der Löwen“ mit. Richtig geil: 60 Frauen und ich als einziger Junge. Die waren aber alle cool damit. Es hat sich halt kein anderer Kerl getraut, und mir machte das noch nie was aus.

Silez
Foto: ImpactMedia Jonas Siekermann

Und hattest du Auftritte als Rapper?
Im PW war ich einmal der Mainact des Abends. Und im jetzigen Mondo, damals noch Ego, hatte ich auch einen Auftritt. Das war’s. Ich bin mega dankbar für jede Plattform, die geboten wird. Lass im BÜZ zwei Leute im Publikum stehen: Ich trete auf! Und ich performe dort genauso wie vor 10.000. Kein Witz.

Ich war schon auf ziemlich leeren Konzerten, wo man den Künstlern die Verbitterung deutlich anmerkte.
Das ist ein unprofessionelles Verhalten. Liveauftritte sind das Wichtigste überhaupt. Durch die Studioarbeit bin ich etwas unfit geworden. Daher muss ich nun wieder trainieren. Gerade für die Bühne ist das ein wichtiger Aspekt. Im Studio isst du echt nur Mist. Wir bestellen immer kurz vor knapp. Manchmal kommt der Lieferdienst schon gar nicht mehr. Es wurde sogar meine Straße aus dem Lieferdienst entfernt, weil wir echt viel bestellen, wenn das Studio voll ist.

Sind Auftritte geplant?
Noch nichts Konkretes, aber ich bin generell offen für Anfragen. Für mich geht es nicht vorrangig darum, Geld mit meiner Musik zu verdienen. Mir ist es erstmal wichtig, meine Songs bekannt zu machen. Dank DJs, die auf mich zukamen, werden meine Tracks ab heute in den Clubs laufen.

Wie sahen deine musikalischen Anfänge aus?
Vor Jahren klang ich noch komplett anders. Als ich 15 oder 16 Jahre alt war, machte ich mit einem Kumpel ein Mixtape. Einfache Lyrics zeichneten mich schon damals aus, auch wenn es inhaltlich noch völliger Mumpitz war. Weil meine Ex sich an meinen Aktivitäten als Musiker störte, hörte ich blöderweise damit auf. Inzwischen würde ich mich nicht mehr für andere Menschen verändern.

 

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Hast du musikalische Vorbilder?
Als Kind mopste ich den „Bodyguard“ Soundtrack meiner Mutter. Whitney Houston hörte ich wie ein Psycho rauf und runter. Dann kaufte ich meine zweite Maxi-CD: „Wild Wild West“ von Will Smith. Seitdem ist er mein Idol, musikalisch, menschlich, businesstechnisch, von mir aus auch als Schauspieler. Ich glaube, es gibt keinen Menschen, der sein Leben so auf die Reihe gekriegt hat, so ein liebevoller Mensch ist und alles so genießt. Ich kenne keinen, der Will Smith unsympathisch findet.

Ich will ihn dir nicht madig machen, aber ist er nicht in einer Sekte?
Echt? Das wusste ich nicht. Selbst wenn er da drin ist, würde ich ihn trotzdem so hinnehmen. Einen hundertprozentig perfekten Menschen wird es nie geben. Soll es auch nicht geben, das wäre ekelhaft. Meinen Style hat Method Man nochmal ganz krass geprägt. Ab Wu-Tang, wo alle Baggies trugen und der Film „How High“ erschien, steckte ich in der Chillerphase meiner Jugend. Von dem Film habe ich übrigens meinen Künstlernamen, nur wird die Rolle des Silas dort anders geschrieben.

 

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Magst du aktuell populäre Künstler?
In Deutschland finde ich RIN gut, dessen Karriere ich bereits seit seinen ersten Tapes verfolge. Trettmann finde ich auch unfassbar gut. Respekt, in diesem Alter noch so den Hintern hochzukriegen. Das übelste Vorbild von mir ist Yung Felix, ein Beatproducer aus Holland. Die Art, wie er Beats macht, feiere ich einfach.

Wärst du bereit, für deine Musikkarriere aus Porta in eine Großstadt zu ziehen?
Ich würde hier starten und dann fächern. Man kann träumen, aber auch daran glauben. Ich habe genug geträumt und ausgemalt. Jetzt habe ich langsam etwas Greifbares und eine Dimension, wo ich hinwill. Und ich bin ein echt positiv denkender Mensch. Ich verstehe Menschen nicht, die alles schlecht reden.

Was steckt hinter Silez ENT?
Das Unternehmen gründete ich, um eine Plattform für Talente hier im Umkreis zu schaffen. Dabei sehe ich mich nicht als stumpfer Dienstleister. Es ist kein Label im herkömmlichen Sinn. Ich strebe mit Künstlern eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe an, um gemeinsam Musik zu kreieren.

Bei Silez ENT möchte ich, dass jeder das Gleiche bekommt. Keiner wird über den Tisch gezogen.

Mit der Gruppe Space Squad arbeitete ich beispielsweise an der „Space Shit“ EP. Demnächst kommt eine EP von den 205 Record Jungs: Piranha und Seif. Und es folgen diverse Projekte, die durch meinen guten Freund Jonas Siekermann von Impact Media visualisiert werden. Er ist bei uns für die Videos zuständig. Aktuell arbeiten wir im Studio an einem Sampler, der alle Künstler vereint. Dann folgt wie erwähnt eine Zusammenarbeit mit Mashup-Künstler Altan Ariyan und eventuell noch eine Latino Geschichte mit Gabriel Latino. Nach der reinen Produktionsphase kommt jetzt die Zeit, wo Silez ENT nur noch releasen wird. Im Hintergrund wird weitergearbeitet.

Kann man sich als Musiker einfach bei dir melden?
Klar. Ich höre mir alles an und bin unfassbar offen, was Musik angeht. Keiner muss glauben, dass man mir nur Trap und Dancehall schicken darf. Wenn ich ein Talent höre, wird es eine Plattform geben, auf der man in unfassbar geiler Qualität aufnehmen kann, ohne in ein 100.000 Euro Studio zu müssen. Rekrutieren ist immer gut.

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