Zwölf-Stunden-Tage – und doch ein Licht am Ende des Tunnels …
Finns Med Journey: news-Redakteur Finn Luca Zell über sein Medizinstudium
Liebe Leserinnen und Leser, ich habe Euch diesen Monat leider nicht so viel Neues aus Sofia zu berichten. Das erste Jahr neigt sich rasend schnell dem Ende entgegen; ich schreibe diese Zeilen gerade rund sechs Wochen vor unserer letzten Prüfung des Semesters. Und weil die nächsten Wochen noch einmal ein ganz neues Stresslevel erreichen werden, bin ich mit meinem Tagebuch auch etwas früher dran als sonst. Ich habe mich schon gewundert, wann der Zeitpunkt eintritt – schließlich hört man aus allen Ecken, die ersten zwei Jahre seien die stressigsten des ganzen Studiums. Bisher habe ich davon eher weniger gemerkt – auch wenn ich ohne Wenn und Aber jeden Tag gelernt habe. Jetzt weiß ich so langsam, was damit wirklich gemeint ist.
Wir schreiben aktuell den 15. Mai, das Jahr endet offiziell am 6. Juni. Dann beginnt die Prüfungsphase. Bis dahin werden wir noch in fünf Fächern zwischengeprüft, im Anschluss daran beginnen direkt unsere Examen. Das sind in diesem Sommer Biologie – die härteste und komplexeste Prüfung des ersten Jahres, für uns gleich am ersten Tag, dem 10. Juni – sowie Medizinische Physik, Medizinische Chemie und Latein. Dass in einer Prüfungsphase die Lateinprüfung mal die sein würde, die nach meinem subjektiven Empfinden die am einfachsten zu schaffende ist, hätte ich vor Jahren auch kaum für möglich gehalten.
Es ist durchaus ärgerlich, dass man uns den Prüfungstermin für Biologie quasi nahtlos an das Semester gehängt hat, aber damit müssen wir wohl leben. Zwar wäre die ein oder andere unifreie Woche zum Lernen noch schön gewesen, dafür haben wir den „dicksten Brocken“ dann aber auch direkt hinter uns gebracht. Die weiteren Prüfungen schließen sich jeweils im Wochenrhythmus an: Zwischen der vorletzten und der letzten – Chemie am 8. Juli – haben wir sogar zwei Wochen Pause (für Chemie brauche ich die auch …).
Und dann? Dann ist das erste Jahr der Vorklinik auch schon vorbei, kaum zu glauben. Gerade begonnen, haben wir die erste große Hürde dann bereits schon genommen. Bis dahin stehen uns aber wie gesagt noch einige harte Wochen bevor. In der Zeit zwischen Ostern und dem Beginn des Sommers bündeln sich hier glücklicherweise, ähnlich wie in Deutschland zahlreiche Feiertage, die ich bisher auch für den ein oder anderen Lernmarathon nutzen konnte. In einer meiner verzweifelten Phasen (das kam in den letzten Tagen durchaus das ein oder andere Mal vor) habe ich die Zeit seit Oktober einmal rekapituliert und festgestellt, dass es seit Studienbeginn keinen Tag gegeben hat, an dem ich nicht mindestens einige Stunden gelernt habe (zumindest nicht ohne schlechtes Gewissen). Und dann kommt ja auch noch der zusätzliche (Termin-)Druck durch meine Tätigkeit als Freier Journalist, unter anderem hier für die NEWS, dazu – schließlich will die Wohnung bezahlt und der Kühlschrank gefüllt werden.
Aber ich sehe Licht am Ende des Tunnels: Sobald die letzte Note in meinem Knishka eingetragen ist, geht es mit der Familie für eine Woche nach Korfu. Eine Woche mal nicht an die Uni denken, keinen Lernstress oder ein schlechtes Gewissen haben. Bis es so weit ist, stehen mir aber durchaus noch einige 12-Stunden-Lerntage bevor. Aber die Zeit geht auch vorbei. Und dann habe ich von dem schönen Wetter auch was – denn das macht sich glücklicherweise so langsam in Sofia breit …
Finn Luca Zell auf Instagram: instagram.com/finnsmedjourney















