Kultur

Wir werden abreißen: R&B Sängerin Marla und Rapper Emsi aus Minden im Interview

DJ Inzölmi Entertainment stellt neue Signings vor

Marla und EMSI. Fotos: Dennis FriesenMarla und EMSI. Fotos: Dennis Friesen

Marla und EMSI sind die neuen Gesichter des Mindener Labels DJ Inzölmi Entertainment. Sie hat sich auf R&B und Soul spezialisiert, er ist Rapper aus Leidenschaft. news – Das Magazin traf die beiden Nachwuchsmusiker gemeinsam mit Labelchef Costa Makrogiannis, um mit ihnen über erste Projekte und die lokale Musikszene zu reden.

Seit wann seid ihr als Musiker aktiv?

Marla: Ich fing vergangenen Sommer mit Instagram Videos an, in denen ich singe. Das waren hauptsächlich Cover aus dem R&B und Soul Bereich. So wurde Costa auf mich aufmerksam.
Costa: Ein gemeinsamer Freund wies mich auf ihre Videos hin.
EMSI: Mit 13, also vor neun Jahren, begann ich, Raptexte zu schreiben. Meine Vorbilder stammten überwiegend aus dem Deutsch-Rap-Sektor.

Costa organisiert ja regelmäßig den regionalen Talentwettbewerb City Talent. Wäre die Teilnahme in einer Casting Show etwas für euch?
Marla: Ja klar, geplant ist es nicht, aber ich mache sowas gerne.EMSI: Vorstellen kann ich mir alles. Es kommt darauf an, was das für eine Veranstaltung ist. Auf ein Rap-Battle hätte ich auch mal Bock.

Costa, wieso hast du dich für die Beiden als Signing entschieden?
Costa: EMSI bringt für mich als Künstler viele Sachen mit, auch ein Stück weit Erfahrung, da er bereits früh mit dem Rappen anfing. Er verkörpert für mich diese Mischung aus der neuen Generation von Rap, gepaart mit einer alten Attitude und heftigen Punchlines. Technisch ist er sehr stark, das wird man schon bei seiner ersten Single merken.

Von zehn Rappern kann vielleicht einer doubletimemäßig bei ihm mithalten.

Das Besondere an EMSI ist zudem, dass er kein reiner Studiorapper ist. Er bringt diese Leistung auch live. Das hat mich fasziniert und fügt sich gut in das Konzept meines Labels ein. Marla passt als Künstlerin ebenfalls sehr gut in diese Zeit. Sie meistert den schmalen Grat zwischen Frau im HipHop und R&B. Den muss man erstmal beherrschen können. Für mich gehört es ein bisschen zur heutigen Emanzipation, dass eine Frau offensiv zeigen darf, was sie drauf hat. Sie darf auch mal auf die Kacke hauen und muss kein Mauerblümchen oder Popsternchen sein. Sie kann klarstellen, dass sie cool ist, Talent besitzt und Stil hat, ohne dabei billig zu wirken. Für mich sind EMSI und Marla definitiv Leute für die Zukunft.

Woran arbeitet ihr gerade?
EMSI: Meine erste Single „Van Damme“ erschien samt Video Mitte April. Der Track ist etwas härter. Ich haue darin ein bisschen auf die Kacke, um zu zeigen, was ich an Reimketten und Punchlines so drauf habe. Der Videodreh mit Dennis Friesen von sechzehnzuneun war top und witzig. Richtig schön. Ansonsten arbeiten wir natürlich an neuen Songs. Der nächste Track ist schon geplant. Er wird geil und geht in eine andere Richtung als die erste Single. So möchte ich meine Vielfalt zeigen. Der Vibe wird andere Leute catchen.

Marla: Ich arbeite auch an Songs, weiß aber noch nicht, wann die erste Veröffentlichung ansteht.
Costa: 2020 werden definitiv EMSIs und Marlas Alben erscheinen.
Marla: Dabei werden EMSI und ich uns gegenseitig featuren.

Was inspiriert euch?
Marla: Beyoncé und Alicia Keys, obwohl ich deutsche Musik mache. Wenn ich an diese Künstlerinnen denke, kriege ich voll die Motivation. Mittlerweile finde ich sogar Shirin David mit ihrem Stil gut. Ich feiere sie dafür, dass sie nun das visuell umsetzt, was zuvor nur Männer brachten: das Posen mit fetten Autos und so. Das wurde mal Zeit. Und Costa inspiriert mich (lacht).
EMSI: Als ich im Alter von 13 Jahren anfing, Musik zu machen, inspirierte mich Azad. Ich hörte seine Musik durchgehend. Jetzt gucke ich auf die gesamte Szene, höre viel amerikanischen und französischen Rap, auch wenn ich von letzterem wenig verstehe. Aber diese Vibes und Flows gefallen mir sehr gut. Schlechtere Rapper inspirieren mich auch. Dann gucke ich, was ich besser machen kann.

Wo kann man euch live erleben?
Marla: Ich trat bereits in der Diwan Lounge Bad Salzuflen beim Black Smoke Konzert Vol. 1 auf, sang auf einer Hochzeit, bei der Neueröffnung unseres Restaurants, beim Abschluss und in Kroatien hatte ich noch einen Auftritt.
EMSI: Wir schauen mal, was die Zukunft bringt. Erstmal brauche ich mehr Songs, dann können wir bei Auftritten auf die Kacke hauen. Ich stand aber schon auf der Bühne. In der Anfangszeit trat ich häufig im Hamburger Hof auf. Damals kamen ganz viele Rapper vorbei, Olli Banjo, Laas Unltd., … Mit Summer bin ich als Voract auch schon aufgetreten.

Der Sommer steht vor der Tür. Würdet ihr gerne auf einem Festival auftreten?
EMSI: Sehr gerne. Da ist die Stimmung immer so schön.

Gibt es ein konkretes Festival, wo ihr gerne auftreten würdet?
EMSI: Ich glaube, das wäre jetzt zu hoch gegriffen.
Marla: Splash!
EMSI: Und Frauenfeld … Festivals, wo halt Leute sind, die unsere Musik verstehen. Das wäre cool.

Costa, dann weißt du ja, was du zu tun hast (lacht).
Costa: Es ist gar nicht so unrealistisch, sich dort mal zu platzieren. Bei all den Bühnen beim Splash sollte es möglich sein, irgendwann einen Slot zu bekommen. Rap ist im Moment so stark wie noch nie. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Ist es euch generell wichtig, live aufzutreten?
Marla: Auf jeden Fall.
EMSI: Liveauftritte machen extrem viel Spaß. Noch besser ist es, wenn Leute da sind, die die Musik verstehen. Sie viben mit und verstehen, was uns antreibt.
Marla: Bei Liveauftritten kann man als Künstler viel mehr zeigen, was man kann. Im Studio kann jeder irgendwas hinbekommen. Das ist heutzutage nicht schwer.
EMSI: Ich finde es bei Auftritten auch schön, mit den Zuschauern in Kontakt zu kommen, mit ihnen zu quatschen.

Fühlt ihr euch als Musiker in der Region gut aufgehoben?
Marla: Ich stehe als Musikerin noch am Anfang, fühle mich hier aber bislang wohl. Irgendwie habe ich das Gefühl, einfach jeden zu kennen. Für den Anfang ist es in Minden erstmal leichter als beispielsweise in Berlin.
EMSI: Hier kennt halt wirklich jeder jeden.

Das kann ein Vor- und ein Nachteil sein.
EMSI: Wenn man cool mit jedem ist, hat man keine Nachteile. Leute sollten halt immer respektvoll mit anderen umgehen. Also ich fühle mich hier ganz wohl.
Costa: Ich mich nicht.

Möchtest du dich aussprechen, Costa? Ist dein Real-Talk-Video noch online? Wo bleibt Teil 2?
Costa: Nach Teil 1 erhielt ich so viele Anrufe von Leuten, die ihre Sicht der Dinge schildern wollten. Das fand ich auch in Ordnung. Teil 2 ist sogar etwas böser und hätte mit noch mehr Leuten abgerechnet als Teil 1. Ich weiß aber nicht, ob ich das veröffentlichen soll. Zwar stehe ich zu meinen Aussagen, doch es basiert wie Teil 1 stark auf Vergleichen zu Ayo & Sky. Da sie sich als Duo aufgelöst haben, ist es ein wenig problematisch. Fandest du Teil 1 so böse?

Ich erinnere mich noch an die Aussage, dass du neben Ayo & Sky in Minden aktuell keine ernstzunehmenden Rapper siehst. Wobei du die „alte Garde“ bewusst ausgeklammert hast.
Costa: Klar, man soll ja die Kirche im Dorf lassen. Curse, Italo Reno & Germany haben auf jeden Fall ihr Ding gemacht. Jetzt sind EMSI und Marla mit im Game. Bei allem Respekt, aber mit Ausnahme von zero/zero machen die Anderen alle doch gar nichts. Es traut sich keiner was. Na gut, es muss nicht immer so einen Bekloppten wie mich geben, der ein finanzielles Risiko eingeht, um jungen Leuten eine Plattform zu geben. Heutzutage kann aber jeder was in die Hand nehmen und was tun. Es kommen keine Videos, keine Gegenwehr, …

Ich fühle mich in der Region als Alleinunterhalter und finde meine „Monopolstellung“ schade.

Es würde mich freuen, wenn mal jemand EMSI ein bisschen kitzeln und auf sportliche Art und Weise herausfordern würde. Das wäre okay. Man muss ja nicht gleich eklig werden. Das gehört zum HipHop und zum Rap dazu. Aber es macht einfach keiner was. Man muss im Wettbewerb aktiv bleiben. Das belebt das Geschäft.
EMSI: Wir sind jetzt nicht auf Rap Beef aus, möchten aber auch keinen Schritt zurück machen, falls er sich ergibt. Rein in die Masse, wie man so schön sagt. Wenn es zu Beef kommt, sind wir auf jeden Fall standhaft.

Stresst euch die Betreuung eurer Social Media Kanäle?
Marla: Nein, darüber bekommt man ja auch Feedback. Auf der Straße kommt eher selten jemand auf mich zu und lobt meine Musik. Im Netz hat man eher die Chance, eine Rückmeldung zu erhalten und zu erfahren, wie man ankommt. Das muss nicht immer gut sein, negatives Feedback bringt einen auch weiter.

Wessen Feedback bedeutet euch am meisten?
EMSI: Von Leuten, die musikalisch weiter sind und Ahnung vom Genre haben. Dann nehme ich mir das Feedback auch richtig zu Herzen und arbeite daran. Wenn jemand ankommt, der wirklich keine Ahnung von 16ern, Hook Schreiben oder Songproduktion hat, und behauptet, ich könnte das besser machen, nehme ich das nicht Ernst.
Marla: Das finde ich auch. Außerdem ist es ein Unterschied, Feedback von Fremden oder von Freunden und Bekannten zu erhalten.
EMSI: Es ist schön, wenn Leute einem sagen, dass meine Musik ihnen gefällt und sie meine Arbeit verfolgen. Das gibt mir Motivation.

Wie sehen eure nächsten Pläne aus? Möchtet ihr deutschlandweit bekannt werden? Würdet ihr für die Musikkarriere wegziehen?
Marla: Eigentlich schon. Ob das klappt, ist die andere Sache. Ich will, glaube ich, nicht in Minden wohnen bleiben, weil ich es mir nicht vorstellen kann, immer am gleichen Fleck zu bleiben. Aber erstmal muss ich hier mein Abi machen.
EMSI: Ich habe nicht vor, wegzuziehen. Deutschlandweit zu übernehmen, ist schon ein Ziel. Wir beide machen moderne Musik, die Anklang finden wird. Wir sind gut in dem, was wir machen. Mal gucken, was die Zeit bringt.

Möchtet ihr abschließend noch etwas erwähnen?
Marla: Folgt mir auf Instagram.
EMSI: Die Augen und Ohren offen lassen. Da wird noch so einiges auf die Leute zukommen. Wir werden abreißen. Nicht wahr, Costa?

Das Interview führte Andrea Williams.

Marla auf Instagram
https://www.instagram.com/marlamusic_32/

EMSI auf Instagram
https://www.instagram.com/emsi_offiziell/