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Wer jetzt den Führerschein macht, ist in den Fahrstunden Wind und Wetter ausgesetzt. Das hat durchaus seine Reize.

Die eiskalte Prüfung

Das Autofahren bei Schnee und Eis stellt schon allerhand Anforderungen für die Frauen und Männer hinter dem Steuer. Wie verhalte ich mich bei glatter Fahrbahn? Bei Blitzeis oder Nebel? Und was mache ich, wenn mich der Gegenverkehr blendet? Wer jetzt seinen Führerschein macht, bekommt die harten Bedingungen in den Fahrstunden serviert. Ob das intensiver schult, ist eine Glaubensfrage.

 

Ausgebildet wird ganzjährig
„Ausgebildet wird ganzjährig“, sagt Andreas Dieckmann vom TÜV-Nord in Bielefeld. Der Disponent, der für ganz OWL zuständig ist, hält das Fahren bei Schnee zwar für anspruchsvoller, aber auch im Sommer lerne man alles, was im modernen Verkehr wichtig ist. In Theorie oder Praxis – und letztlich zähle hinterm Steuer auch die Routine, die sich jeder Fahranfänger sowieso noch aneignen müsse.
Dieckmanns TÜV nimmt die Prüfungen in den alten Bundesländern ab. „Im Auftrag der Technischen Prüfstelle des jeweiligen Landes“, sagt er. In den neuen Bundesländern sind seine Kollegen von der Dekra damit betraut – und die Abnahme erfolge grundsätzlich das ganze Jahr. Mit einer Einschränkung, denn: Sinken die Temperaturen unter sieben Grad Celsus, werden Zweirad-Fahrprüfungen nicht abgenommen. Und in der Zeit von November bis Februar müsse der jeweilige Zweirad-Prüfling das Risiko selbst tragen. Alle anderen Klassen – vom Auto über den Bus bis zum Lkw laufen ganzjährig ab.
„Theoretische Prüfung ist am Campus in Minden“, sagt Dieckmann. Der praktische Teil erfolgt klassisch durch TÜV-Sachverständige, die mit auf der Straße unterwegs sind. Dort liegt das wahre Leben – also auch mal Schnee auf der Straße. Und Zeit für eine Winterpause hält der Disponent prinzipiell nicht für angebracht. Denn vor allem die Führerscheine im Bereich Bus und Lkw werden oft über das Arbeitsamt getragen. Wer sich für die immer anspruchsvollere Tätigkeit als Berufskraftfahrer ausbilden lässt, könne auf die jeweilige Jahreszeit auch keine Rücksicht nehmen.

Verkehr ist immer im Jahr.
Und trotzdem genießt der Führerschein im Winter einen guten Ruf. So ganz von der Hand zu weisen, sind die Argumente nicht. „Man bekommt dann auch die richtigen Tricks und Kniffs vermittelt“, sagt ein Fahrlehrer. Ratschläge, die für Sommerfahrschüler reinste Theorie sind. Deshalb sei der Führerschein im Winter durchaus zu empfehlen.

Fahrstunden als Weihnachtsgeschenk
Ein paar Fahrstunden zu verschenken – oder gar den Führerschein zu bezahlen, ist daher ein recht willkommenes Weihnachtsgeschenk. Gerade unter dem Aspekt des beliebten Führerscheins mit 17 hat dieser Zeitpunkt an Attraktivität gewonnen. Einerseits, weil ein Fahrlehrer praktische Tipps unter Echtzeitbedingungen vermittelt, andererseits, weil das „Begleitete Fahren“ mehr Sicherheit bietet.
Die Besonderheit am Führerschein mit 17 ist folgende: Für ein Jahr muss sich der Minderjährige begleiten lassen. Das heißt im Klartext – alleine oder mit den Kumpels fahren ist nicht. „Mein Mann und ich werden das bei unserem Sohn übernehmen. Da heißt es Ruhe bewahren, Vertrauen ins eigene Kind haben“, sagt die Mutter eines Fahrschülers. Angst habe sie nicht. Sie vertraue der Fahrschule.
Der Beifahrer selbst muss mindestens 30 Jahre alt sein und über fünf Jahre Fahrpraxis verfügen. Auch sein Register in Flensburg sollte eine ordentliche Bilanz aufweisen. Mehr als drei Strafpunkte sind nicht drin. Auch für die Begleitperson gilt ein Drogen- und Alkoholverbot, letzteres mit maximal 0,5 Promille. Bis die Eltern sich also von der Party abholen lassen können, muss ihr Spross achtzehn sein.
Hinzu kommt, dass die Begleitung über 30 nicht einfach willkürlich zu jeder x-beliebigen Fahrt gesucht werden kann. Es muss sich um ein und dieselbe Person handeln, die amtlich eingetragen wird. Wer sich nicht daran hält, macht sich übrigens strafbar. Und das kann richtig teuer werden, denn: Zu einem Bußgeld gesellt sich die Verlängerung der Probezeit und der Führerschein wird eingezogen. Und bevor es den dann wiedergibt, muss erst ein Aufbauseminar absolviert werden.

Erfolgsmodell: Führerschein mit 17
Laut Bundesverkehrsministerium hat sich der 2011 eingeführte Führerschein mit 17 bewährt – und auch die Fahrschulen sprechen von einem Erfolgsmodell. Skeptiker sind weitestgehend verstummt und wer sich in diesen Wochen auf den Weg zur ersten Fahrstunde macht, darf sich (möglicherweise) auf winterliche Momente freuen.

In den Fahrstunden (und besonders den Überlandfahrten) geht es dann vielleicht durch tief verschneite Landschaften, die sicher so einige fahrerische Herausforderungen stellen. Und wenn sich der Prüfling dann in absehbarer Zeit zur Prüfung anmeldet, kommen eventuell schon die ersten Krokusse, denn: das Frühjahr kommt ganz bestimmt.

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