Der Winter hat viele schöne Seiten. Das Autofahren gehört aber bestimmt nicht dazu – besonders nicht, wenn man es noch lernt. Doch gerade die kalte Jahreszeit bietet sich dafür an, den Führerschein zu machen. // Von Jan Henning Rogge

Schnee, Hagel, Eisregen, Nebel, dazu gefühlte ewige Dunkelheit: Kaum jemand fährt gerne Auto, wenn die Temperaturen sinken und die Tage kurz sind. Wenn dann noch die Reifen durchdrehen und das Auto ohne eigenes Zutun durch die Kurve driftet, ist die Lust am Autofahren schnell verflogen. Autofahren kann im Winter wirklich nerven. Trotzdem gibt es gute Gründe, den Führerschein im Winter zu machen.

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Sicherer unterwegs
Wer den Führerschein im Winter macht, sorgt sich allerdings meist weniger ums Fahren bei schlechtem Wetter sondern um eins: das es teuer wird. Doch ein gewaltiger Vorteil wiegt das auf: Wer mit einem Fahrtrainer an seiner Seite die schwierigsten Situationen im Leben eines Autofahrers bereits üben konnte, ist bestens vorbereitet, auch alleine durch den Winter zu kommen.

Nur nicht durchdrehen
Die wohl größte Schwierigkeit für viele ist das Anfahren auf glatten Straßen: Schnell drehen hier die Reifen durch, im schlimmsten Fall kommt das Auto jetzt ins Rutschen. Viele moderne Autos bieten zwar inzwischen Anti-Schlupf-Systeme an, die in solchen Situationen das Durchdrehen der Reifen verhindern. Doch gerade Fahranfänger sind oft mit älteren, weniger gut ausgestatteten Fahrzeugen unterwegs – und auch nicht bei jedem Neuwagen gehört ein solches System zur Serienausstattung.
Das Gefühl für Gas und Kupplung will generell gelernt sein. Auf Glatteis wird das Spiel mit den Pedalen zur Millimeterarbeit. Doch klar ist: Wer auf einer vereisten Straße problemlos ins Rollen kommt, wird auf trockener Straße erstrecht keine Probleme haben.

Bloß nicht ausbrechen
Auch das Kurvenfahren stellt im Winter eine besondere Herausforderung dar. Auch hier helfen heute moderne Assistenzsysteme. Doch wie man gegenlenkt, wenn plötzlich das Heck ausbricht oder das Auto trotz eingeschlagenem Lenkrad weiter geradeaus fährt, kann man mit einem Fahrtrainer im Winter auch außerhalb eines Verkehrsübungsplatzes trainieren.

Stehengeblieben!
Der Albtraum vieler Autofahrer aber ist und bleibt das Versagen der Bremsen. Das Antiblockiersystem ist heute fast schon Standard – trotzdem stellt das Bremsen auf Schnee und Eis noch immer eine Herausforderung dar. Denn während das System zwar verhindert, dass das Auto ausbricht oder wegrutscht, sorgt es noch lange nicht dafür, dass das Auto ebenso schnell zum Stehen kommt, wie im Sommer. Und natürlich ist es gut zu wissen, wie sich ein Bremsmanöver anfühlt, wenn das ABS zuschlägt – so bleibt die Schrecksekunde beim ersten ernsthaften „Stotterbremsen“ kurz.

Rauf und Runter
Schließlich kommen noch die Königsdisziplinen: bergauf und bergab. Eine vereiste Abfahrt im Weser- und Wiehengebirge kann ähnlich fordernd sein, wie eine Alpenstrecke – zum Glück sind in unseren Breiten aber nur kurze Strecken zu absolvieren. Die Motorbremse kann hier vor schlimmen Unfällen retten. Wie das geht, erklärt der Trainer auf dem Beifahrersitz.

Zeit sparen
Nicht zu unterschätzen ist der Faktor Zeitersparnis bei Nachtfahrten – denn während es im Winter gefühlt immer dunkel ist, müssen Fahrschüler im Sommer lange warten, bis die vorgeschriebenen Nachtfahrten möglich sind. Wenn es ab 17 Uhr dunkel ist, klappt es mit den Fahrstunden ohne sich die Nacht um die Ohren schlagen zu müssen.

Kosten reduzieren
Wer die Kosten minimieren will, kann Grundtechniken mit einem privaten Auto ja schon mal auf einem Verkehrsübungsplatz trainieren: Die nächsten Plätze sind in Oerlinghausen und Hannover-Laatzen. Anfahren, Bremsen und die Sache mit dem Schulterblick kann man dort trainieren – am besten nach den ersten Fahrstunden, um Papis oder Mamis eingestaubtes Regelwerk kritisch hinterfragen zu können.

Keine gute Idee
Einen Motorradführerschein im Winter zu machen halten die meisten Experten übrigens für keine gute Idee – viele Fahrschulen haben ihre Maschinen im Winter deshalb abgemeldet. Zwar spricht bei schnee- und eisfreien Straßen zwar nichts gegen Fahrstunden – wer aber mal auf einem Motorrad bei Minusgraden unterwegs war weiß: Es ist kalt. Sehr kalt. Hinzu kommt das Risiko, dass die Ausbildung bei einem Wintereinbruch unterbrochen werden muss und damit gelernte Techniken wieder in Vergessenheit geraten. Wer unbedingt schon vor der Motorradsaison mit dem Führerschein beginnen will, sollte sich zunächst am theoretischen Teil versuchen.