ZETA ist ein junger Rapper mit Rintelner Wurzeln. Inzwischen ist er in Berlin ansässig. news – Das Magazin sprach mit dem Musiker über seine EP-Reihe „ZETA“, die eindrucksvoll auf der griechischen Temperamentenlehre basiert.

Von Andrea Williams

Deutsche Rapper sagen mir immer wieder, dass sie selbst gar kein Deutschrap hören. Wie sieht das bei dir aus?
Amirap überwiegt. Damit bin ich aufgewachsen, und es gibt einfach sehr viel Auswahl. Meist sind die Amis den Deutschen auch ein bisschen voraus. Dennoch liebe ich schon immer deutschsprachige Musik, inklusive Rap. 

Seit wann machst du Musik?
Musik begleitet mich mein ganzes Leben, doch erst Ende 2016 fasste ich den Entschluss, professionell Musik zu machen. Mitte 2017 erschien meine Debüt-EP „Auftakt“. 

Du befindest dich aktuell in der Promophase deines „ZETA“-Projekts. Machst du alles selbst?
In enger Zusammenarbeit mit meinem Producer derkalavier habe ich fast 2 Jahre daran gearbeitet, wir haben alles selber in die Hand genommen, was in unserer Macht stand. Ohne die vielen tollen, loyalen und fleißigen Leute aus unserem Umfeld wäre es aber nie möglich gewesen.

ZETA mit seinem Producer Derkalavier. Foto: Florian Roy

Hättest du gerne einen Manager, der dir die Arbeit abnimmt?
Das wäre für die Zukunft wünschenswert. Ich würde mich gerne mehr auf die Musik an sich konzentrieren können. Die Orga hat zuletzt gefühlt 95 Prozent meiner Zeit in Anspruch genommen. 

Hast du dich dafür coachen lassen?
Zum größten Teil lief das autodidaktisch. Ich las viele Bücher und wuchs in Aufgaben rein. Zudem tauschte ich mich mit Leuten aus, die auf diesem Gebiet mehr Erfahrung haben. 

Seit wann arbeitest du mit deinem Producer derkalavier zusammen?
Wir lernten uns vor ca. zehn Jahren über Myspace kennen, schickten uns Dateien hin und her, nahmen erste Songs auf und stellten sie bei YouTube rein. Das fand Anklang. Auch dank persönlicher Treffen, die folgten, freundeten wir uns an und weiteten unsere Zusammenarbeit aus.  

Findest du, dass Producer generell zu wenig Aufmerksamkeit zuteil wird?
Ich finde, dass der Trend mittlerweile positiv ist. Leuten, die vorher eher im Hintergrund standen, wird mehr Aufmerksamkeit zuteil. Aber es gibt noch Nachbesserungsbedarf, da viele Produzenten unter der Situation leiden. 

Wer gehört noch zu deinem Team?
Für die Videos war vor allem die Zusammenarbeit mit Julian Richberg sehr wichtig. Er führte Regie bei drei der fünf Videosingles. Allgemein war er sehr nah am Projekt. Elias C.J. Köhler ist ein sehr guter Kameramann, mit dem ich bereits für das „Murderer“ Video zusammenarbeitete. Ein großen Anteil hat auch Linh Luu, eine multitalentierte Künstlerin aus Berlin, und roemischdrei aus Münster, der u.a. für die Artworks verantwortlich ist. Davon abgesehen halfen unzählige Freunde, Freunde von Freunden und engere Bekannte hinter den Kulissen. Das Release selber kommt über das junge Label denkschutz.

War ZETA dein erster Rappername?
Es gab andere, doch sie haben mich nie so richtig überzeugt. Es war mir wichtig, einen Eigennamen zu haben, der nicht mit anderen Dingen belegt ist. ZETA ist die Abkürzung für „Zeitlose Elaboration totaler Authentizität“. Er passt zu meiner Persönlichkeit. 

Fühlst du dich vom Spotify Algorithmus als Künstler unter Druck gesetzt?
Das Spotify Zeitalter beeinflusst die Entstehung von Songs, das kann man nicht leugnen. Wir entschieden uns bewusst dafür, zeitlose Musik machen zu wollen und nicht trendabhängig zu sein. Wenn du einen ruhigen Song umsetzt, der sehr reflektiert und meditativ ist, dann ist es – überspitzt formuliert – einfach falsch, nach zwei Sekunden in den Chorus einzusteigen. Da muss es auch mal ein 30 Sekunden Intro geben. Musik ist noch immer vor allem emotional.   

Möchtest du ein bisschen was zu dem Konzept der EP-Reihe erzählen?
Das Gesamtwerk bildet ZETA als Kunstperson in vier verschiedenen Facetten ab. Diese sind scheinbar widersprüchlich, gehören aber dennoch zusammen. Das soll zeigen, dass Identitäten heute nicht einseitig sind. Wir leben in einer Welt, in der die Einflüsse von allen Seiten aus kommen. Es gibt ziemlich offene Grenzen und einen Informationszugang, der zumindest hier in der westlichen Welt quasi unlimitiert ist. Dementsprechend gibt es keine starren Abgrenzungen von Identitäten mehr. Und genau darum geht es in unserem Projekt. 

Das Ganze führt sogar noch tiefer, da es an die altgriechische Temperamentenlehre angelehnt ist. Die alten Griechen unterschieden zwischen vier grundsätzlichen Menschentypen – kurz zusammengefasst: Phlegmatiker, der Passive (EP „Z“). Melancholiker, der Sentimentale (EP „E“). Choleriker, der unkontrolliert Ausbrechende (EP „T“). Sanguiniker, der spielerisch leicht Humorvolle (EP „A“). Diese vier scheinbar widersprüchlichen Temperamente sind bei uns in einer Person verankert. Menschen sind eben vielschichtig.

Zudem beschreiben wir mit dem Gesamtwerk eine Reise. Es geht mit dem passiven Typen los, der sich betäubt, ablenkt und sich nicht mit der Welt und seinen eigenen Gefühlen beschäftigt. Daraufhin findet er auf der nächsten EP seine Gefühle wieder, weiß aber nicht, wie er mit ihnen umgehen soll. Es folgt der Choleriker, dessen Gefühle nun unkontrolliert ausbrechen. Dementsprechend klingt die dazugehörige EP sehr brachial. Schließlich mündet es im Sanguiniker, dem es gelingt, für seine wiedergefundenen Emotionen einen spielerisch leichten Ausdruck zu finden. So entsteht ein Identitätskonzept mit einer persönlichen Reise und Lebensentwicklung dahinter.

Zu deinem Release Marathon gehören aufwendig gedrehte Videos. Bist du mehr Fan von hoch- oder querformatigen Videos?
Beides funktioniert und hat seine guten Seiten. Du spielst vermutlich auf die Vertikalvideos an, die ich auf YouTube habe. Sie haben eine ganz andere Herangehensweise als ein cineastischer Dreh. Die ursprüngliche Idee war hier vor allen Dingen, Situationen authentisch aus dem Leben gegriffen zu zeigen. Sobald man eine Szene cineastisch plant, ist sie ja sehr künstlerisch. Dazu wollten wir ein Gegengewicht schaffen, das aus dem Moment entsteht. Das Feedback zu den Songs war richtig gut. Es entstand dadurch ein eigener Style.  

Wie weit reichen deine Planungen? Die nächsten Sachen sind doch bestimmt schon fertig oder in Vorbereitung.
Ich arbeite konstant weiter. Musik ist für mich eine unendliche Quelle an Kreativität und Energie. Ich kann mir nicht vorstellen, da jemals eine Sättigung zu erreichen. 

Möchtest du von der Musik leben?
Musik ist mein absolut primäres Ding. Ich möchte damit auf jeden Fall Geld verdienen. Aber ich bin ein sehr umtriebiger Mensch und habe auch noch andere Dinge in meinem Leben. 

Die EP-Reihe ZETA“ ist ab sofort auf allen gängigen Plattformen verfügbar.

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www.facebook.com/zetamusik
www.youtube.com/zetamusic