Kultur

Rapper Trauma: “Das Gute im Schlechten sehen”

Der Mindener Rapper Trauma veröffentlicht am 26. Oktober sein Soloalbum „Die Kunst zu leben“ auf Vinyl

David Stoebel, besser bekannt als Trauma, ist schon seit vielen Jahren in der regionalen Rapszene aktiv. Mit seinem Musikvideo „Mi, myself and i“, gedreht von den Stuhlemmer-Bros, hat er im Sommer ein Video veröffentlicht, das in Sachen Mindener Lokalkolorit kaum zu überbieten ist. Für sein neues Konzeptalbum „Die Kunst zu leben“ hat er sich viel Zeit genommen und wie zu seinen Anfängen Feedback von seinem Mentoren Curse eingeholt. Andrea Williams hat mit dem Rapper, der hauptberuflich an der Mindener Eine-Welt-Schule unterrichtet, gesprochen.

news: David, dein neues Album „Die Kunst zu leben“ ist bereits seit August 2017 fertig. Wieso hat es bis zur Veröffentlichung so lange gedauert?
David: Es war eine Kostenfrage, da ich alles selbst ohne ein Label finanzierte. Mein erstes Soloalbum „Alles muss raus“ erschien gratis und nur online. Daher ist die kommende Veröffentlichung gefühlt mein erstes Debütalbum, weil es auf den gängigen Musikportalen und als Vinyl erhältlich sein wird. Auf CD wird es das Album nicht geben, das Medium ist tot.

news: Wer durfte als erstes dein neues Album durchhören, der nicht daran gearbeitet hat?
David: Das waren meine Freundin und ihr Cousin Juri, besser bekannt als der Rapper Panorama. Ich glaube, noch nicht einmal meine Jungs aus dem Freundeskreis kennen das Album bislang von A bis Z. Curse durfte es auch vorab hören. Auf seinen Rat hin änderte ich nachträglich diverse Zeilen. Zum Beispiel ist ursprünglich im Text eines Songs jemand gestorben. Ich habe das jetzt so gelöst, dass sich durch die Änderung von vier Zeilen ein besseres Ende für die Person ergibt.

news: Sein Feedback ist dir also seit deinen Anfängen als Rapper bis heute wichtig?
David: Auf jeden Fall. Ich spielte ihm meine fertigen Stücke vor und bat ihn um seine Meinung. Curses Aussagen sind stets sehr erhellend. Feedback von weiteren Personen ist zwar willkommen, aber meistens habe ich meine detaillierte Vorstellung. Zudem zweifle ich häufig, bin aber auch sehr selbstkritisch.

news: Ist das Album eine musikalische Fortsetzung vom Vorgänger „Alles muss raus“?
David: Nein, das alte Album war eine Sammlung von Songs einer Dekade, die sich auf meinem Computer befanden und die quasi „rausmussten“. „Die Kunst zu leben“ ist ein Konzeptalbum mit dem Fokus auf Storytelling, da ich gerne und viel über das Leben nachdenke. Das titelgebende Thema „Die Kunst zu leben“ taucht immer wieder als Anekdote in verschiedenen Geschichten auf. Das Cover zeigt eine Zitrone, auf der Rückseite ist Limonade. Die Botschaft ist klar: „Wenn dir das Leben Zitronen gibt, mach Limonade daraus.“ Richtig platt, aber mir gefällt es. Das bringt den Albumtitel für mich auf den Punkt: Bei allen negativen Erlebnissen im Leben muss man schauen, ob sie etwas Gutes mit sich bringen. Diese Denkweise spiegle ich in meinen Songs wider. Das war auch schon mit meinem ehemaligen Rap-Duo Stress und Trauma so. Wir setzten immer positive Lieder um.

news: Wer hat am Album mitgearbeitet?
David: Die erste Anlaufstelle war der HipHop-Produzent Brisk Fingaz aus Hannover. Damals mit Stress und Trauma war er die erste Person, die für uns Beats machen wollte, was uns bei seinem Talent sehr ehrte. Als ich vor vier Jahren wieder mit der Musik anfing, hatte ich richtig Bock und überlegte, woher ich Beats bekomme. Ich nahm den Kontakt zu Brisk Fingaz erneut auf, und so nahm alles seinen Lauf. Drei Viertel der Beats stammen von ihm, ein Viertel von dem Mindener Produzenten-Duo Hitnapperz.

news: Gibt es Feature-Gäste?
David: Selbstverständlich, allerdings nur zwei: der Rapper Donato aus Dortmund und Germany von Italo Reno & Germany.

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news: Dein im August veröffentlichter Track „Mi, myself and i“ hat bei YouTube schon fast 20.000 Plays erreicht. Hattest du solch eine Resonanz erwartet?
David: „Mi, myself and i“ war der erste Track, den ich nach meiner Pause schrieb. Es ist ein Song für die Mindener Rapszene an sich. Der Beat stammt von den Hitnapperz. Dass der Song so durch die Decke geht, hatte ich wirklich nicht erwartet.

news: Ist es für eine Hymne an deine Heimatstadt politisch gerade die richtige Zeit?
David: An sowas habe ich null gedacht. Rapper machen oft Songs über ihre Stadt ohne jeglichen Hintergedanken. Ich habe schließlich keinen Deutschland-Song gemacht. Man muss schon unterscheiden, welche Person was sagt und wie sie sich ausdrückt, oder?

news: Wie Italo Reno & Germany, zero/zero und Ayo & Sky hast du mit dem Rapper Stress vor kurzem noch zu den bekannten HipHop Duos der Region gezählt. Jetzt geht ihr musikalisch getrennte Wege. Gibt es Dinge, die du an der gemeinsamen Arbeit vermisst?
David: Es war immer ein unbeschwertes Arbeiten mit ihm. Wir alberten herum, machten viel Blödsinn. Bei den Aufnahmen im Studio hatten wir extrem viel Spaß. Als wir das letzte Album „Big Minden III“ beruflich bedingt auf Distanz produzieren mussten, hat sich der Spaßfaktor leider etwas verlaufen, da ich sehr in mein Referendariat eingespannt war und nicht allzu häufig die notwendige Zeit aufbringen konnte.

news: Du hast eben bereits Panorama erwähnt. Verfolgst du, was in Sachen „Nachwuchs“ in Mindens Musikszene so passiert?
David: Auf jeden Fall. Ich verfolge die lokale, aber auch die ganze deutsche Rapszene sehr intensiv und höre mir alles mindestens einmal an, um mir ein Urteil zu bilden. Bei „Mi, myself and i“ baute ich so viele Namen von Musikern ein, weil hier vor Ort massig viel passiert. Das ist schon immer so gewesen. Es gibt total viele talentierte Leute, aber es können nicht unbedingt alle miteinander gut Kirschen essen. Dagegen wollte ich mit meinem Track ein bisschen angehen.

Das Album „Trauma – Die Kunst zu leben“ (12 Tracks, ca. 42 min. Laufzeit) ist ab dem 26. Oktober bei den gängigen Musikportalen und als Vinyl erhältlich.

Verlosung:
news – Das Magazin verlost zwei Vinyl-Schallplatten von „Trauma – Die Kunst zu leben“. Senden Sie eine Postkarte mit dem Kennwort „Zitrone“ an news – Das Magazin, Obermarktstraße 26 – 30, 32423 Minden. Einsendeschluss ist Freitag, 19. Oktober. Der Versand an die Gewinner erfolgt nach dem Release am 26. Oktober 2018.