Kultur

Rapper Shogoon widmet die EP „Akt I: 32425“ seiner Heimatstadt Minden.

„Früher baute ich relativ viel Mist.“

ShogoonShogoon. Foto: Johannes "Nadel" Stromeier

Von Andrea Williams

Bereits als kleiner Junge wurde Fabian Boenig (26) von Rap sozialisiert. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis er unter dem Namen Shogoon selbst zum Mikrofon griff. Inzwischen wohnt er in Berlin und hat als Musiker noch sehr viel auf seiner Agenda stehen. Sein Vorbild Curse spielte dabei von Anfang an eine sehr große Rolle.

Dank Curse hast du als Kind deine Liebe zum Rap entdeckt. Nun hat er dir für deine EP via Instagram Feedback gegeben. Was bedeutet dir das?
Ich kann es nicht auf ein paar Worte runterbrechen. Der 13-jährige Fabi würde mir jetzt auf jeden Fall auf die Schulter klopfen. Ich bin mir nicht sicher, ob er von Anfang an wusste, dass ich auch aus Minden komme. Das tut auch eigentlich nichts zur Sache, aber von jemandem, der einen so sehr geprägt hat, Feedback zu bekommen, war schon ein Punkt, der sehr weit oben auf meiner Bucket-List stand.

Deine EP erscheint am 2. August. Was erwartet die Hörer auf „Akt I: 32425“?
Es wird fünf Songs geben. Ich wollte weder zeitgeistige Musik noch hängen gebliebenen Boom- bap machen und ging all meine G-Funk-, (T)Rap- und Soulplatten durch, die ich cool fand, und pickte mir quasi alles raus, was mir am jeweiligen Subgenre gefiel. Die EP ist der erste von drei Akten. Bei diesem Auftakt handelt es sich um eine Minden-Kleinstadt-Platte. Dank Fender Rhodes und Stratocaster Gitarren ist sie tatsächlich sehr westcoastig geworden. Ich dachte mir, dass das sehr geil passt, da Ostwestfalen im Westen von Deutschland liegt. Es ist sehr organisch, sehr soulig, aber an den richtigen Stellen auch sehr modern und beinhaltet zum Großteil sehr moderne Tempi ohne Trap-Anleihen. Hört einfach rein.

Hast du einen Lieblingstrack deiner EP?
Da ich alles selbst produziere, hörte ich jeden Song gefühlt 80 Mal. Irgendwann kann man sie dann, ehrlich gesagt, nicht mehr hören. Die beiden Teaser „Cremeweiß“ und „6 km/h“, die sich nicht auf der Platte befinden, höre ich momentan lieber, da sie aktueller sind. Meine Favoriten der EP sind am ehesten das Outro namens „Kippenpause“ und der Titelsong. Das Outro spannt den Rahmen zum nächsten von insgesamt drei Akten. Darauf wird ein Album oder ein großes Mixtape folgen.

Von wem hast du dir während der Produktion Feed­back geholt?
Ich machte die Platte im stillen Kämmerlein und niemand wusste, dass ich daran arbeite. Und als ich sie verschickte, kam sehr gutes Feedback zurück. Dazu zählten das Label und meine Freunde, bei denen ich mir ganz sicher sein konnte, dass sie mir keinen Mist erzählen. Besonders in der Kleinstadt hat man schnell einen Kreis von „Yes-Sayern“ um sich, sobald man etwas Exotisches macht. Da muss man aufpassen. Und durch den krassesten Zufall kam halt das Feedback von Curse, ohne dass ich es beabsichtigt hatte.

Ist es dein Ziel, von der Musik leben zu können?
Auf jeden Fall. Allerdings bin ich ein viel zu unsicherer Mensch, um nur von meiner eigenen Musik leben zu wollen. Ich möchte generell im musikalischen Sektor auch für andere Leute arbeiten.

Hast du schon was für andere gemacht?
Ja, aber bei Produktionen war kaum etwas Namhaftes dabei. Beim Schreiben habe ich schon einigen Leuten geholfen, aber darüber spricht man ja nicht.

Hast du auch das Gefühl, dass hier in der Region die Anzahl junger Rapper stark wächst? Sie rappen oft über Themen, die ihre Vorbilder à la 187 Straßenbande von sich geben. Du dagegen betonst die einfachen Verhältnisse, aus denen du kommst. Regt dich das auf?
Hip-Hop spielte seit der Trennung meiner Eltern, als ich zehn Jahre alt war, eine große Rolle bei meiner Sozialisierung. Hip-Hop nahm quasi die Elternrolle ein. Die eine Instanz war Sido, die andere Seite war Curse. Ich bin also zur Hälfte mit Aggro Berlin sozialisiert. Im Endeffekt ist 187 nichts anderes vom Impact her. Meine Songs kreisen um ähnliche Thematiken.

Früher baute ich relativ viel Mist und hörte nur den allerhärtesten Gangsta-Rap, außer wenn keiner guckte und ich abends mit dem Hund rausging. Dann hörte ich Curse und machte mir Gedanken, die etwas tiefer gingen.

Rein musikalisch gesehen, finde ich gerade, was 187 angeht, alles relativ okay. Es ist total wichtig, solche Musik zu hören, um ein Gespür dafür zu bekommen, was es noch für Parallelgesellschaften gibt. Allerdings habe ich ein Problem damit, wenn Sachen eindeutig affektiert sind und viele jüngere Konsumenten oft nicht mehr zwischen Entertainment und Realität unterscheiden können.

Gibt es weibliche Rapperinnen, die du feierst?
Ja, aber ich mache bei Frauen und Männern im Rap nicht so viele Unterschiede. Es ist einfach Hip-Hop, und wir sind alle eins. Es ist schade, dass Frauen-Rap oft nicht ernst genommen wird.

Schaut man sich deinen Instagram-Kanal an, bist du offensichtlich ein großer Vinyl-Liebhaber. Wie viele Platten hast du?
Es sind so um die 350 Stück. Es könnten mehr sein, aber ich bin Student. Da sitzt das Geld nicht so locker.

Und wie viele Sneaker hast du?
Ein bisschen weniger. Jetzt sind es gerade knapp über 100. Ich bin ungelogen täglich zwei Stunden auf Kleiderkreisel unterwegs, um Schnapper zu machen. Das klappt relativ gut.

Kann man dich live erleben?
Auftritte sind noch in der Planung. Wahrscheinlich wird es zur zweiten oder zur dritten EP, die im besten Fall noch in diesem Jahr herauskommen, eine Release Party und Auftritte in kleinen Clubs geben. Ich möchte Routine bekommen, damit ich im Sommer 2020 hoffentlich bei kleinen Festivals auftreten kann.

Du wirst doch hoffentlich auch hier auftreten?
Wenn Anfragen reinkommen, auf jeden Fall.

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