Unglaublich! Deutscher Meister 2018! Wer hätte damit schon gerechnet? Von uns, den Mädels des Beachhandball-Teams Strandgeflüster Minden, sicherlich niemand.

Als Underdog waren wir zur Deutschen Meisterschaft Anfang August nach Berlin gefahren und hatten uns den Viertelfinaleinzug als realistisches Ziel gesetzt. Aber wie heißt es so schön: Wer nicht an Wunder glaubt ist kein Realist. Und so sah die Realität dann auch aus.

Den Auftakt ins Turnier würden wir im Nachhinein wohl als Stotterstart bezeichnen. Zunächst unterlagen wir den hoch favorisierten Minga Turtels aus Ismaning 0:2. In beiden Sätzen hatten wir gute Chancen und bewiesen einen starken Kampfgeist. Unser Gegner war uns letztlich aber athletisch und spielerisch überlegen. Im zweiten Gruppenspiel trafen wir auf unseren Lokal-Konkurrenten, die Sand Devil Youngstars aus Minden. Nach zwei Sätzen stand es 1:1, den Sieg sicherten wir uns erst im Penalty-Werfen. Gegen die BonnBons aus der früheren Hauptstadt setzten wir uns souverän durch und zogen ins Viertelfinale gegen die Brüder aus Ismaning ein.

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Die Brüder aus Ismaning. Das kann nicht wahr sein! Die Mannschaft, die fast ausschließlich aus 3.Liga-Handballerinnen des HCD Gröbenzell und TSV Haunstetten besteht, wurde bereits 2016 und 2017 Deutscher Meister und wollte sich nun den Titel-Hattrick holen. Aber von vornherein aufgeben? Nicht mit uns. Aus den letzten Jahren wussten wir, dass uns die Brüder liegen und gingen deshalb top-motiviert ins Spiel. In zwei Sätzen lieferten wir uns einen spannenden Schlagabtausch, den wir am Ende knapp für uns entscheiden konnten. Im entscheidenden zweiten Satz konnte ich beim Stand von 16:16 im Golden Goal einen Sechs-Meter der Brüder halten. Dann bekamen wir auf der Gegenseite die Marke zugesprochen. Wer sollte den werfen? Rahel Rodehau! Rahel hatte laut unserer rechten Flügelflitzerin Jasmin Kaddatz, die „Geilheit, das Spiel zu entscheiden“ und netzte selbstbewusst zum 18:16 ein. Sieg! Damit behielt auch unsere Trainerin Andrea Leiding Recht, die schon vor dem Spiel, prophezeite: „Die Brüder sind heute mal fällig.“

Wahnsinn, war das wirklich wahr? Kann uns mal bitte jemand kneifen? Solche Gedanken schossen uns durch den Kopf. Jubelnd und schreiend vor Freude stürmten wir das Spielfeld und feierten den Halbfinaleinzug mit dem gesamten Team und allen mitgereisten Eltern und Fans! Nach einem wohl verdienten Sieger-Cocktail im Sand, lagen wir alle pünktlich und ausgeruht im Bett, ehe die Schiedsrichter am Sonntagmittag das Halbfinale gegen die CAIPIranhas aus Erlangen anpfiffen.

Wieder Spannung pur. Wieder Penalty-Werfen. Wieder Sieg. Und dann das Finale gegen die Beach Bazis aus Oberschleißheim. Nach einem deutlichen Sieg im ersten Satz, lagen wir im zweiten Satz noch drei Minuten vor Schluss 5:11 zurück. Dank einer geschlossenen Mannschaftsleistung kämpften wir uns zurück ins Spiel. Wir ackerten in der Abwehr, fighteten um jeden Ball. Hinten parierten wir die Bälle, vorne trafen wir sicher. Und plötzlich stand es nach Ablauf der Zeit 12:11 für uns. Jetzt wirklich? Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, was dann genau geschah. Außer, dass ich plötzlich unter einem riesigen Menschenhaufen begraben war. Es wurde gejubelt, gelacht, geweint. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle!

Jetzt dürfen wir uns Deutscher Meister 2018 nennen und fliegen zum Champions Cup nach Sizilien! Das ist so etwas wie die Klub-EM im Beachhandball. Und wir sind für die Bundesrepublik Deutschland dabei. Insgesamt messen sich bei dem offiziellen Wettbewerb der EHF (European Handball Federation), der vom 1. bis 4. November stattfindet, 16 Teams. Mit uns in einer Gruppe sind die Mannschaften des Sport Club Sennec aus der Slowakei, der London Angels Handball Club aus Großbritannien und der Göteborg Beach Handball Club aus Schweden. Alles Klubs, die Beachhandball teilweise professionell und hauptberuflich betreiben.

Am Mittwoch vor Turnierstart reisen wir mit zwölf Spielerinnen, unserer Trainerin und 16 Fans auf der italienischen Mittelmeerinsel an. Und auch diesmal sind wir vermutlich wieder der Underdog. Mit der Rolle haben wir uns mittlerweile aber sehr gut abgefunden. Und nicht nur das: Wir finden sogar, sie steht uns ganz gut. Denn wenn wir eins in Berlin erlebt und gelernt haben: Wenn wir als Team überzeugen, jeder für jeden kämpft und wir mit Herz und Hand dabei sind, ist gar nichts unmöglich. Wir müssen nur daran glauben! Wir sind schließlich Realisten!

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