Von Carsten Korfesmeyer

Marcel Steinkämper ist Sportholzfäller. Dahinter steckt das Ziel, Holz in möglichst kurzer Zeit zu sägen und mit der Axt zu hacken. Durch ein gewonnenes Probetraining kam der 25-Jährige auf den Geschmack und inzwischen tritt der Mindener bei Wettkämpfen in der ganzen Welt an. Ende des Monats will sich der hauptberufliche Kfz-Meister für die Deutsche Meisterschaft in Wernigerode qualifizieren. News – Das Magazin hat mit dem Extremsportler gesprochen und erfahren, wie anspruchsvoll und fordernd das Sport­holzfällen ist.

Marcel, wenn man beim Sportholzfällen zuschaut, sieht es eigentlich ganz einfach aus. Wahrscheinlich ein Irrtum, oder?

Ja, denn das Sportholzfällen fordert Kraft, Ausdauer und es kommt auch ganz entscheidend auf die Technik an. Das erfordert viel Übung, Präzision und Geschick. Wie schwer dieser Sport ist, merken alle erst, wenn sie es einmal selber versuchen.

Wie oft trainierst Du?

Wir Sportler treffen uns ein Mal im Monat zum Training. Dort sprechen wir mit den Trainern und bekommen entsprechende Tipps und Programme. Ich habe zu Hause einen eigenen Trainingsplatz, auf dem ich drei bis vier Mal in der Woche die einzelnen Disziplinen übe. Ich gehe aber auch zwischendurch in ein Fitnessstudio zum Training.

Foto: STIHL TIMBERSPORTS

Von den insgesamt sechs Disziplinen sind jeweils drei mit Axt und Säge. Hört sich ganz nach dem traditionellen Holzfällerberuf an.

Der Sport kommt ja auch aus dem Bereich und es zählen die besten Zeiten. Bei den Wettkämpfen wird immer darauf geachtet, dass jeder möglichst gleiches Holz bekommt. Was die Arbeitsgeräte betrifft, nehmen wir überwiegend Spezialanfertigungen. Zum Beispiel bei der letzten Disziplin Hot Saw, eine Säge, die zwischen 60 und 80 PS hat. Die macht enorm viel Krach und ist bei den Wettkämpfen immer ein Höhepunkt.

Beim Training und Wettkampf wird naturgemäß viel Kleinholz gemacht. Woher kommt das und was passiert anschließend damit?

Wir Sportler haben, was die Lieferungen betrifft, schon einige Kontakte aufgebaut. Meist nehme ich Pappelholz fürs Training. Für die Wettkämpfe wird das Holz extra auf zertifizierten Pappelplantagen angebaut und mit minimaler Belastung für die natürliche Umgebung geerntet. Nach den Wettkämpfen wird das Altholz nicht einfach entsorgt, sondern wird für nachhaltige Zwecke wie Biomasse und Strom aus nachwachsenden Rohstoffen wiederverwendet.

 Axt oder Säge? Wo bist Du besser?

Das Ziel beim Sportholzfällen ist natürlich, in beiden Bereichen starke Leistungen zu erzielen. Nur dadurch kommt man ja auch nach vorne. Wenn ich ehrlich bin, favorisiere ich aber die Axt. An der Säge muss ich noch etwas arbeiten. Aber da bin ich schon auf einem guten Weg.

Foto: STIHL TIMBERSPORTS

Axt und Säge – das klingt nicht ungefährlich. Wie viel Risiko hat dieser Sport?

Es ist prinzipiell schon ein sehr sicherer Sport. Das sieht auf den ersten Blick zwar nicht so aus, aber für den Schutz wird schon einiges getan – beispielsweise mit der entsprechenden Kleidung. Und es ist ja auch nicht so, dass wir Sportler so ohne Weiteres loslegen dürfen. Wir dürfen erst an den Wettbewerben teilnehmen, wenn wir nachweislich mit Axt und Säge umgehen können. Man wird ganz allmählich herangeführt und mit der Technik vertraut gemacht. Das ist prinzipiell vergleichbar mit der Platzreife beim Golfen. 

Was hat Dein Freundeskreis anfangs zu Deinem Sport gesagt?

Die meisten waren schon eher skeptisch. Aber inzwischen wissen sie, wie anspruchsvoll es ist. Ich bin jetzt ja in meinem dritten Jahr bei den Wettkämpfen und inzwischen wissen die meisten gut darüber Bescheid. Mit der Skepsis hat es sich dadurch also erledigt.

Foto: STIHL TIMBERSPORTS

Fragen Dich viele Menschen, ob Du bei Ihnen zu Hause das Kaminholz hacken kannst?

Das kommt tatsächlich häufiger vor. Aber das zeigt ja auch, wie wenig die Leute noch über diese Sportart Bescheid wissen. Eines meiner Ziele ist tatsächlich auch, das Sportholzfällen in der Region bekannter zu machen. Die Erfolge helfen mir natürlich dabei sehr.

In Oelde hast Du Mitte Juni einen zweiten Platz belegt und mit einer weiteren starken Leistung könntest Du Dich Ende dieses Monats für die Deutsche Meisterschaft qualifizieren. Könntest du Profi werden?

In Deutschland gibt es noch niemanden, der den Sport hauptberuflich macht. Wir gehen alle ganz normal unserer Arbeit nach. Ich bin zum Beispiel Kfz-Meister. Beim Sportholzfällen hat man zwar meist viele Zuschauer, aber letztlich ist es noch eine Randsportart. Ich bin auch der Einzige aus dieser Gegend, der diesen Sport betreibt. Der nächste kommt meines Wissens nach aus der Gegend von Paderborn. 

 

Hintergrund: Sportholzfällen

Das Sportholzfällen besitzt eine über 100-jährige Tradition und wird deshalb gerne als „The Original Extreme Sport“ bezeichnet. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts begannen Forstarbeiter damit, sich in ihrer Freizeit an Axt und Säge miteinander zu messen. Die Wurzeln des Sports liegen in Australien und Neuseeland, von dort breitete er sich auch nach Kanada und in die USA aus. Aus den improvisierten Anfängen entwickelten sich rund ein Dutzend sportliche Disziplinen, darunter einige, die konkret das Fällen und Zerteilen eines Baumes simulieren. Alle Disziplinen erfordern von den Sportlern Geschicklichkeit im Umgang mit dem Werkzeug und dem Material Holz, Kraft und Ausdauer sowie eine präzise Technik. Einer der ersten überlieferten öffentlichen Wettkämpfe fand nach Angaben der Australian Axemen’s Association 1891 in Tasmanien statt.

STIHL TIMBERSPORTS® ist eine internationale Extremsport-Wettkampfserie im Sportholzfällen. Nicht ohne Grund gilt sie als die Königsklasse des Sports: Hier messen sich die besten Sportler, sie hat die meisten Zuschauer und genießt das größte Medieninteresse. 1985 rief man sie ins Leben, in Europa wird die Wettkampfserie seit 2001 betrieben. Die Wettbewerbe finden heute auf vier Kontinenten statt, an denen rund 2.000 Athleten aus mehr als 20 Ländern teilnehmen. STIHL als titelgebender Sponsor der Serie wird inzwischen von einer Reihe weiterer Partner, wie beispielsweise Liebherr und Ford, unterstützt.

Bei den nationalen und internationalen Wettkämpfen der Königsklasse im Sportholzfällen treten die Athleten in bis zu drei Axt- und drei Sägedisziplinen gegeneinander an. Springboard, Underhand Chop und Standing Block Chop gehören zu den klassischen Axtwettbewerben; bei der Single Buck (Zugsäge), der Stock Saw (handelsübliche Motorsäge) und der Hot Saw (bis zu 80 PS starke, getunte Motorsäge) kämpfen die Sportler mit Sägen um Bestzeiten. (Quelle: www.stihl.de)