Die neue Mühlenkreis-Landrätin Anna Bölling startet in ihre erste Amtszeit. Sie setzt auch auf den ganz engen Draht zu den Menschen

Anna Bölling ist ab November die neue Landrätin des Mühlenkreises. Sie verspricht „für frischen Wind“ zu sorgen und nimmt sich einiges vor. Wenige Tage bevor sie ihr Amt antritt, spricht die 40-Jährige im Interview über die zurückliegenden Monate, den Wahlkampf und auch darüber, warum es ihr so wichtig ist, nah an den Menschen zu sein.

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Frau Bölling, Sie sind gerade mal 40 und wirken ganz anders als „der typische Landrat“.
Ich weiß, dass die Menschen mit diesem Amt eher das Bild von einem älteren Herrn im Kopf haben. Aber als Landrätin kann ich an diesen Bildern ja etwas verändern. Ich habe versprochen, für frischen Wind zu sorgen und das werde ich auch einhalten.

Als Landrätin sind Sie Chefin der Kreisverwaltung, aber auch unter anderem oberste Dienstherrin der Kreispolizeibehörde. Wann haben Sie Ihren Entschluss gefasst, für dieses Amt zu kandidieren?
Ich bin gefragt worden, ob ich antreten würde. Die damalige CDU-Kreisvorsitzende Kirstin Korte hatte mich schon zu einer Zeit darauf angesprochen, als Dr. Ralf Niermann seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur noch gar nicht öffentlich bekannt gegeben hatte. Ich habe zugesagt, weil ich mich gerne neuen Herausforderungen stelle und ich mir dieses Amt aufgrund meiner Vita auch zutraue.

Interview Landraetin

Als Landrätin stehen Sie stark in der Öffentlichkeit. Spüren Sie diese Prominenz? Und was macht das mit Ihnen persönlich?
Es ist schon so, dass mich die Menschen oft erkennen und auch ansprechen. Das finde ich gut und ich mag es, in direktem Kontakt mit den Leuten zu sprechen. Ich rede dann gerne über Politik, aber auch über andere Dinge des Lebens. Erst gestern bin ich zum Beispiel beim Spazierengehen im Glacis mit einer Frau ins Gespräch gekommen. Und heute früh, als ich in Gummistiefeln mit unserem Hund zum Spaziergang war, sprach mich ein Ehepaar spontan an. Ich finde, so etwas gehört zu einem Amt einfach dazu. Und die Frage, ob ich ein öffentliches Leben, möchte, habe ich mir natürlich vorher beantwortet.

Sie sind in Minden aufgewachsen und wer Ihren Lebenslauf liest, erkennt dass Sie beruflich weit herumgekommen sind. Könnten Sie sich auch vorstellen, Landrätin in einem anderen Kreis zu sein?
Als Landrätin eher nicht, denn ich finde es in dieser Funktion wichtig, mit dem Kreis auch verwurzelt zu sein. Das bin ich, obwohl ich auch lange Zeit nicht hier gelebt habe. Diese Phase möchte ich auch nicht missen – beispielsweise meine zwei Jahre in Warschau bei der Konrad-Adenauer-Stiftung. Das waren ganz tolle Erfahrungen.

Wäre Bürgermeisterin auch eine Option gewesen?
Ich bin tatsächlich darauf angesprochen worden, ob ich in einer Samtgemeinde, von denen es in Niedersachsen einige gibt, als Bürgermeisterkandidatin antreten. Aber das war schon zu Zeiten, als meine Kandidatur als Landrätin schon feststand.

Sie schreiben auf Ihrer Homepage, dass Sie und Ihre Familie „tief in Minden verwurzelt“ sind. Wann haben Sie das an sich bemerkt?
Nach dem Abitur ging es ja für mich zum Studium – und wie so vielen Menschen in diesem Alter wollte ich natürlich erstmal raus und die Welt entdecken. Ich war dann ja auch länger weg, bin aber im Urlaub immer in Minden gewesen. Minden und die Region sind für mich das Zuhause, wo ich mich so richtig geborgen fühle.

Kurz nach Bekanntgabe Ihrer Kandidatur sind Sie schwanger geworden und mittlerweile Mutter von Zwillingen. Hatte diese veränderte Lebenssituation an Ihren beruflichen Plänen womöglich zeitweise etwas verändert?
Nein, gar nicht. Aber selbstverständlich ändert sich im Leben einer jungen Mutter einiges – und dass weiß jeder, der selbst Kinder hat. Und es verlagert auch die Prioritäten. Das ändert aber nichts daran, meine beruflichen Herausforderungen mit vollem Elan anzugehen.

Als Landrätin und Mutter können Sie eine ideale Vorbildfunktion für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einnehmen.
Das stimmt. Mir ist natürlich schon bewusst, dass mir in Zukunft oft sehr lange Arbeitstage und Abendtermine bevorstehen. Aber mein Mann und ich haben das gut geregelt. Aber wissen Sie, dass mich neulich ein Kollege von Ihnen von der Süddeutschen Zeitung gefragt hat, ob mich diese ständigen Fragen nach Familie und Beruf nicht irgendwann nerven. Ich habe das übrigens mit „Nein“ beantwortet. Solche Fragen nerven mich ganz und gar nicht.

Wie geht es für Sie bis zum Amtsantritt weiter?
Offiziell beginnt meine Amtszeit am 1. November, aber das ist ja ein Sonntag – also starte ich am 2. November. Ich bin natürlich seit meiner Wahl schon im Kreishaus gewesen und habe Gespräche geführt. Mit dem noch amtierenden Landrat habe ich mich länger unterhalten und wir hatten eine Art Übergabegespräch, bei dem ich ihm viele Fragen gestellt und Antworten bekommen habe. Getroffen habe ich auch mit den Dezernenten und natürlich werde ich mich in den ersten Wochen noch mit vielen Menschen unterhalten – und mich einfinden. Es geht nichts über die Mitarbeiter. Wir sind als Team erfolgreich. Das ist genau wie im Wahlkampf.

Im Wahlkampf hieß es auf Ihren ersten Plakaten „Einfach mal durchatmen“. Das ist schon mal was anderes.
Ich hätte den Menschen ja auch einfach einen schönen Sommer wünschen können. Aber das war mir zu gewöhnlich. Ich wollte in dieser Hinsicht einen anderen Weg gehen – und die Menschen haben ja zahlreich reagiert. Ich bin oft auf den Satz angesprochen worden.

Genießen Sie denn auch Ihre freie Zeit bis zum Amtsantritt?
Ja selbstverständlich. Ich in gerne bei meiner Familie, aber es gibt bereits einiges zu tun. Ich habe einige Medienanfragen, denen ich nachkomme und ich möchte auch noch den Menschen einen Dankeschön-Brief schreiben, die mir so nett gratuliert haben.