Maximilian Rührups (21) große Leidenschaft ist das DJing. Der Mindener, der unter dem Namen DJ ExChaint hauptsächlich House und Electro auflegt, steht seit 2012 an den Decks. Am Samstag startet seine eigene Reihe namens „Spätschicht“ in der Musikbox. Was die Partygäste dort erwartet und wie er zum Auflegen kam, verrät er uns im Interview.

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Woher kommt dein DJ Name?
Als ich zehn oder elf Jahre alt war, saß ich den ganzen Tag am PC zum Zocken. Deshalb gab mir eine Schulfreundin den Namen „Chaint“ – warum auch immer. Ich fand den Namen cool und verwendete ihn fortan als Nickname für Spiele. Irgendwann bekam ich mich mit der besagten Freundin richtig in die Haare. Der Kontakt brach ab. Also packte ich ein „Ex“ davor. Den Namen ExChaint finde ich eigentlich ganz cool.

Interview November
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Wie hast du mit dem Auflegen angefangen?
Das lief zuerst über Freunde und YouTube Videos. Ich spielte von meinem 8. bis zum 18. Lebensjahr Schlagzeug, unter anderem in einer Schülerband. Privat waren Bands nichts für mich. Daher war DJing ideal. Zu Weihnachten wünschte ich mir von meinen Eltern einen günstigen Controller. Das erste Jahr war wirklich eine Katastrophe. Doch ich kniete mich rein, legte auf Geburtstagen auf, sammelte Erfahrungen, holte mir Tipps und schaute weiter YouTube Videos an. Dann kam irgendwann von meiner Freundin der Tipp, dass es in Minden den DJ Contest gibt. Ich bewarb mich und wurde direkt angenommen. Beim Wettbewerb legte ich eine Stunde lang mein Set auf.

Du durftest im Rahmen eines Wettbewerbs so lange auflegen?
Es gab nur zwei Teilnehmer. In der Jury saßen die DJs André Becker, Franky Flow, Kid Vincent sowie DJ Inzölmi. Ich gewann den Contest, und dadurch konnte ich mich als DJ in Minden etwas mehr etablieren. Dann legte ich für meine Ausbildung eine Pause ein. Als ich mit dem Auflegen wieder anfangen wollte, fanden sich keine neuen Gigs, und ich saß ein Jahr lang auf dem Trockenen. Durch Zufall kam ich in Kontakt mit Kid Vincent, der es mir ermöglichte, drei Stunden lang das Warm-up für ihn bei der Neesen O-Party in diesem Jahr zu spielen, was sehr gut lief. Dank Neesen ergab sich der Kontakt zur Box. Nun lege ich gefühlt jeden Freitag dort auf. Deswegen habe ich Kid Vincent so viel zu verdanken. Wenn er als etablierter DJ einen empfiehlt, ist das viel wert.

Interview November
Foto Constantin Lühr

Wo fand dein erster öffentlicher Auftritt statt?
Zunächst legte ich ja nur auf Geburtstagen auf. Der Contest im Bunker war theoretisch mein erster öffentlicher Auftritt. Der erste richtige Gig war 2016 „Monkey Island“ in den Kronenwerken Bückeburg. Darauf folgten Bookings im Markt 15, dessen Besitzer ich auch viel zu verdanken habe. Bei den anschließenden Auftritten im Bunker kamen House und Electro leider nicht so gut beim Publikum an. Nun bin ich in der Box und ab September auch wieder im Markt 15 aktiv. Mit Clubs in Bielefeld sind mein Kumpel und ich im Gespräch. Momentan geht’s echt bergauf bei mir.

Und nun hast du am Samstag deine erste eigene Veranstaltung in der Box?
Die Box hat ja drei Floors: Backstage, Main und den Sub unten, wo bislang hauptsächlich Electro, Techno und ähnliches lief. Ich schlug vor, dass ich als Neuling eine eigene Serie im Sub ins Leben rufe. Jetzt am Samstag, 31. August, startet die Veranstaltung „Spätschicht“. Da biete ich Festivalsounds von House und Electro bis Trap.

Der Name „Spätschicht“ stammt von dir?
Den hat sich ein Kumpel überlegt. Da es im Sub gefühlt kein Licht gibt, passt das Motto unten einfach rein. Nach getaner Arbeit kann man im Sub künftig eine Spätschicht einlegen. In der Veranstaltungsbeschreibung steht „Bei uns muss keiner arbeiten, aber es wird alles verlangt!“

Sind Extras für die Gäste vorgesehen?
Die Specials haben wir am Namen „Spätschicht“ angelehnt. So gibt es beispielsweise „Feierabendbier“ ab 3 Uhr für 2 Euro. Unter dem Stichwort „Feiertag“ verlosen wir 10 x freien Eintritt. Und bei der „Lohnspritze“ gibt es bis 1 Uhr alle Shots für 2 Euro. Zudem ist „Doppelter Samstag“, wo es bis 1 Uhr zwei Getränke zum Preis von einem gibt.

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Wer sind deine Top 3 Vorbilder beim Auflegen?
Oliver Heldens finde ich mega. Headhunterz ist auch ein super Typ. Und Carnage. Generell würde ich die ganzen Leute aus dem Bootshaus in Köln als meine Vorbilder bezeichnen. Die Trap und EDM-Richtung ist einfach meine Welt. Darin gehe ich auf wie eine Sonnenblume im Sommer (lacht).

Wie gehst du ein Set an? Wie inspirierst du dich?
Ich spiele, worauf ich Lust habe. Aus Interviews großer DJs zog ich für mich heraus, dass man nur die Musik spielen sollte, die man selbst richtig feiert. Auf meiner Festplatte befindet sich zum Beispiel kein einziges Schlager- oder Rocklied. Ich bin auch kein riesiger Black-, Deutschrap- oder Chartsmusik-Fan, aber dazu feiern kann man immer. Letztens machte ich ein Mixtape von der Barong Family. Das ist ein Musikfestival in Thailand, das eine eigene Musikrichtung erschaffen hat. Es wird quasi EDM, Base House mit Black, Latino gemischt. Ziemlich cool. Ich entschloss, einen Powermix daraus zu erstellen, angefangen mit der niedrigsten BPM-Zahl des Albums, 80, bis zur höchsten: 170 BPM. Gut zum Joggen (lacht). Trap ist für mich Auf-die-Fresse-Musik. Meist haue ich beim Auflegen das erste Lied raus und entscheide mich, bei dem Stil zu bleiben. Nach einer halben Stunde am Mischpult könnte ich direkt duschen gehen. Ich packe da immer meine Energie rein und springe rum wie ein Affe auf Ecstasy. Da stecke ich wirklich mein ganzes Herz rein.

Wo würdest du gerne mal auflegen?
Definitiv im Bootshaus Köln. Parookaville wäre natürlich auch geil.

Fühlst du dich in der Mindener Musikszene wohl?
Ich wünsche mir, dass die Leute endlich von Black Music und Deutschrap weggehen. Früher lief in der Box den ganzen Abend lang Charts und House. Heutzutage spielt man einmal Avicii, einmal Oliver Heldens und dann geht’s schon wieder weiter mit Capital Bra und 187. Es ist einfach traurig, wie sich die Musikwelt verändert hat. In Neesen spielten wir nur elektronische Musik, das war geil. Da fühlte ich mich richtig zuhause.

Hat sich keiner beschwert?
Überhaupt nicht. Wenn alle genügend Pegel haben, kommt House an. Die ersten zwei Stunden einer Veranstaltung sind schwer. Dann brauchen Leute Musik, die sie kennen, um feiern und trinken zu können.

Gibt es noch etwas, das dich bei deiner Tätigkeit als DJ stört? Musikwünsche zum Beispiel?
Musikwünsche stören mich gar nicht. Es ist halt die Frage, wie sie bei mir ankommen. Wenn ich elektronische Musik spiele, finde ich einen Wunsch nach Capital Bra unpassend. Fragen nach Bier, dem Aufladen von Handys oder dem Aufbewahren von Taschen nerven auch irgendwann. Leute, die mir meinen Beruf erklären wollen, gehen gar nicht. Am meisten stören mich am DJing die Montage, wenn ich am Wochenende aufgelegt habe. Und die ersten beiden Stunden, wenn noch keiner tanzt und auch sonst nichts los ist, stören mich. Aber da kann man nichts gegen machen. Sonst bin ich als DJ zufrieden.

Was hast du in Zukunft noch so geplant?
Ich möchte mir auf jeden Fall eine größere Fanbase aufbauen, und versuchen, eigene Tracks zu erstellen. Einen Remix habe ich schon gemacht. Und ins Radio zu kommen, wäre auch cool.

www.instagram.com/djexchaint
www.facebook.com/djexchaint

max.ruehrup@outlook.de

Von Andrea Williams