Von Carsten Dehne

Da sitz ich vor meinem Rechner und runzele meine Stirn. Fünf, sechs Mal habe ich mit einem Text angefangen, drüber nachgedacht und wieder gelöscht. Und wieder von vorn. Das ist für ein monatlich erscheinendes Printmedium wie die NEWS ein Nachteil – der relativ frühe Redaktionsschluss. Einige Jahre war das für mich in Sachen „Text über GWD Minden“ kein Thema, denn der Klassenerhalt stand zuletzt immer recht früh fest. In dieser Saison (leider) nicht.

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Wir schreiben den 21. Juni und ich bin in der Bredouille. Soll ich jetzt – nach dem Dankerser Sieg gegen Göppingen – schon den Klassenerhalt feiern? In der Hoffnung, dass die Eulen aus Ludwigshafen nur noch maximal zwei Punkte aus den beiden letzten Spielen holen? Oder soll ich den Abgang beschreiben? Das wäre dann ein Abstieg mit 27 Pluspunkten. Das geht doch gar nicht, oder? Gab es das schon? Nein, das gab es noch nie. Den Rekord als „Absteiger mit den meisten Pluspunkten“ hält GWD Minden – das ist noch gar nicht so lange her. 2015 war es. Mit 25 Zählern auf dem Konto ging es für die Grün-Weißen ab in Liga zwei. Und warum? Weil die „Kohle-Schummelei“ der Hamburger zu spät auffiel und nicht bestraft wurde. Die zogen dann leider erst ein Jahr später die Reißleine und gingen freiwillig runter. Hat GWD nichts genutzt. Na ja, dafür haben „wir“ eben diesen Rekord, den keiner haben will.

Foto: Angela Metge

Ein Blick zurück in die Saison 2008/2009. Krasses Gegenteil. Da hätten für den Klassenerhalt sieben (!) Punkte gereicht. Essen wurde Letzter mit drei Punkten, Stralsund Vorletzter mit sechs Punkten. Das lag daran, dass den Stralsundern wegen Lizenzverstößen vier Punkte abgezogen wurden.

Neun Jahre vorher gab es gar keinen Absteiger – und das völlig ohne eine Pandemie. Hintergrund: die Liga wurde auf 20 Mannschaften aufgestockt. Es sollte nur einen Absteiger geben. Das wäre dann nach einer desolaten Serie mit zwei Unentschieden und einem Sieg am grünen Tisch der TuS Schutterwald gewesen. Da die jedoch mit dem Aufsteiger TV Willstätt zur SG Willstätt/Schutterwald fusionierten blieben sie drin. Verrückt.

Komplett verrückt war es in der Saison 2007/2008 – „die Mutter aller Klassenerhaltkrimis“. Vor dem letzten Spieltag hatten der TuS N Lübbecke und GWD Minden je 16 Pluspunkte – Dankersen das deutlich bessere Torverhältnis. TUSEM Essen hatte 17 Pluspunkte. Essen hatte ein Heimspiel gegen Melsungen, Lübbecke traf in eigener Halle auf die Füchse und GWD musste zum designierten Vizemeister nach Flensburg. Showdown! TUSEM holte einen Punkt gegen Melsungen und Lübbecker besiegte Berlin. So hatten beide 18 Punkte. Das hieß: GWD muss in Flensburg gewinnen. Da wo es eigentlich nie was zu holen gibt. Der Rest ist Geschichte: die Fußspitze von Malik Besirevic parierte den finalen Wurf von Thomas Mogensen. Alle drei Kontrahenten hatten 18 Punkte, GWD das beste Torverhältnis, Essen musste in die Relegation und der TuS stieg ab.

Foto: Angela Metge

Die Hiobsbotschaften vom Grün-Weißen Kader rissen auch zu Saisonende nicht ab. Doruk Pehlivan hatte sich zum Ende gerade wieder „frei“ gespielt und sorgte auf dem Feld für den nötigen Druck auf Halblinks, da macht ihm das Knie erneut einen Strich durch die Rechnung. Geschickt hatten die Mindener die Info zurückgehalten. War schon interessant zu beobachten, wie die Göppinger beim vorletzten GWD-Heimspiel beim Warmmachen den Rückraumschützen suchten. Wie lange Doruk ausfällt? Das ist aktuell schwer genau zu sagen …

Es fällt mir bei jedem „Heimspiel“ der Grün-Weißen, so circa 50 bis 60 Minuten vor dem Anpfiff auf. Da beobachte ich vor der Lübbecker Kreissporthalle beim Sportlereingang der Mindener einen Mann, wie er höchst konzentriert kleine Wege schreitet. Auf 50 Meter Entfernung kann ich erkennen, wie da jemand sehr tief nachdenkt. GWD-Coach Frank Carstens ist im absoluten Tunnel. Ansprechen verboten! Mal schauen, vielleicht kann ich ihm irgendwann mal entlocken, was ihm dabei so durch den Kopf geht. Verrät er es mir, schreibe ich es hier für euch auf.

Und dann, egal wie die Serie zu Ende ging, stand nach einer langen und ständig unterbrochenen Saison, ja auch Urlaub an. Strand und Meer war für eine der Jungs das erste Ziel für eine schnelle Auszeit. Miro Schluroff und Max Staar machten sich für ein paar Tage auf an die Nordsee – Richtung Süden ging es für drei Tage für Carsten Lichtlein, im Gepäck mit seinem alten Spezi Rolf Hermann. „Nach dieser Saison tat das so was von Not!“ – das glaube ich voll und ganz …