Der März ist volle Höhepunkte im Mindener Stadttheater. Die Reihe „Kabarett statt Karneval“ ist einer davon – und die Besucher dürfen sich zum Start in den Frühling auf einen Monat freuen, in dem es Unterhaltung unterschiedlichster Genres gibt. Lisa Fitz tritt mit ihrem Programm „Flüsterwitz“ beispielsweise am Mittwoch, 13. März, um 20 Uhr, auf.

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Den „Flüsterwitz“ erzählt man hinter vorgehaltener Hand. Er könnte Menschen in Hörweite beleidigen, sensible Damenohren kränken oder so wahr sein, dass er Machthabern gefährlich wird. Eigentlich ist der Flüsterwitz ein politischer Witz. Wenn man mit einem autoritären System haderte oder Repressalien befürchtete, erzählte man sich Flüsterwitze. Sind wir in unserer demokratischen Diktatur der Parteien so weit? Wer nicht in die politische Stromlinienform passt, wird mit subtilen Methoden mundtot gemacht. Das mulmige Gefühl wächst, dass man sich nicht mehr ganz frei äußern kann. „Des derfst ja net laut sagen“, hört man oft.
Lautsagen ist aber wichtig – ma muaß reden mitanand, Gemunkel aus dem Dunkeln ins Licht heben, so geht Diskussionskultur. In Bayern, bei den Katholiken, bei den Moslems, bei der Auto-Lobby und deren Helfershelfern. In Facebook und Twitter jedoch verschwinden systemkritische Bemerkungen auf mysteriöse Weise, Accounts werden gesperrt oder gelöscht. Political Correctness wird zu Meinungsdiktatur, Gesinnungspolizei bevormundet die Bürger, die kontern mit Panikmache. Empörialismus entgeistert die Republik. Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst, heißt es. Hier muss Lisa Fitz ran – eine Frau, die sagt und singt, was sie denkt. Laut. Mit Verve. Mit Witz. Mit Haltung. Die sich nicht drum schert, ob sie auf linke oder rechte Füße tritt und die furchtlos wie eine Amazone den Bogen spannt und in alle Richtungen zielt.

Ein besonderes Theaterstück ist auch die Inszenierung „Dr Nest“, die am Donnerstag, 28. März, 20 Uhr, im Stadttheater zu sehen ist. Hajo Schüler, Michael Vogel, Fabian Kalbitzer, Benjamin Reber, Björn Leese, Anna Kistel, Fabian Baumgarten, Mats Süthoff wirken in der Inszenierung von Familie Flöz mit. Familie Flöz kehrt in seinem neuen Stück zurück zur Maske. Mit ihr und durch sie hindurch wirft das Ensemble seine Blicke auf die rätselhafte Kartografie des Gehirns und in die Tiefen der Seele. Inspiriert durch paradoxe Fallbeschreibungen aus dem weiten Feld der Neurologie öffnet es die Türen einer fiktiven Heil- und Pflegeanstalt und offenbart die bizarren Welten seiner Bewohner – und des Personals. Bewegung, Raum, Wort, Licht und Klang erschaffen eine ebenso tragische wie komische Erzählung von der Zerbrechlichkeit menschlicher Leben.

Die Handlung des Stücks ist folgende: Als Dr. Nest den Nachtzug besteigt, bestrebt bittere Erinnerungen und sein zerfahrenes Leben hinter sich zu lassen, kehrt in der „Villa Blanca“ die Nachtruhe ein. In der abgelegenen Heilanstalt, ein Sammelplatz verrückter Schicksale, tritt er seine neue Stellung an. Getrieben von Neugierde, Wissensdurst und Empathie trifft er dort auf die ebenso sonderbaren wie rätselhaften Phänomene seiner Patienten: Verloschene Erinnerungen, Körper mit Eigenleben, gespaltene Persönlichkeiten, Dämonen und Wahnbilder. Dr. Nest droht bald selbst die Ordnung zu entgleiten. Was zunächst befremdet, erscheint schnell als ein aberwitziger Spiegel eigener Zweifel und Unsicherheiten. Die feine Linie zwischen normal und nicht normal, zwischen bewusst und getrieben, zwischen gesund und krank verbleicht vor seinem Auge.

Das komplette März-Programm im Mindener Stadttheater findet Ihr im Internet unter

www.stadttheater-minden.de