1920 schlägt die Geburtsstunde der heutigen EDEKA-Minden-Hannover. Von den Höhen und Tiefen der vergangenen 100 Jahre bleibt das Unternehmen zwar nicht verschont, doch eines änderte sich nie: die Orientierung am Zeitgeist. Wir blättern durch die Kapitel.

2020 hat die Edeka Minden-Hannover ein Jubiläum gefeiert, das an den Ursprung des heutigen Unternehmens erinnert. Denn im Herbst 1920 schlossen sich im Haus „Grüner Wenzel“ in der Obermarktstraße insgesamt 34 Kolonialwarenhändler aus Minden und Umgebung zur „Weserkauf“-Einkaufsgenossenschaft zusammen und begründeten damit die heutige EDEKA Minden-Hannover. Die Genossenschaftsidee setzte sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts immer mehr durch. Die Erfolgsgeschichte nimmt dann ihren Lauf.

EDEKA Minden Lagerräume Brüderstraße 1932. Foto: PR

Anfänge als Bedienladen

Mit dem Einkaufen von heute sind die Anfangsjahre kaum noch vergleichbar. Die ersten EDEKA-Geschäfte sind reine Bedienläden. Das heißt: Der Kaufmann stellt die Einkäufe für jeden einzelnen Kunden zusammen, berät bei der Auswahl, wiegt die Waren ab, verpackt sie in Papiertüten oder füllt sie in mitgebrachte Gläser und Kannen. Das Sortiment umfasst vor allem Grundnahrungsmittel wie Mehl, Zucker und Gries, daneben Öl, Essig, Senf und Gewürze, Kakao, Schokolade, Wein und Kaffee. Von den Genossenschaften beziehen die Kaufleute anfangs nur das Trockensortiment. Alles andere kaufen sie im privaten Fachgroßhandel. Speiseöl, Essig und Wein werden in 25-Liter-Korbflaschen oder Fässern geliefert, Marmelade und Schmierseife in großen Blecheimern. Kaffee kommt in Säcken in den Laden und wird dort auf offenem Koksfeuer geröstet.

EDEKA Wucherpfennig Hannover Frau im Kassenhaus. Foto: PR

Bezahlt wird bar oder die Kunden lassen über einen längeren Zeitraum anschreiben und begleichen beispielsweise am Monatsende ihre Rechnungen. Vor allem auf dem Land und in kleineren Städten ist der „Borgkauf“ weit verbreitet. Für den EDEKA-Kaufmann hat das Anschreiben Vor- und Nachteile: Zwar birgt es das Risiko von Zahlungsausfällen, bindet jedoch die Kunden an sein Geschäft.

In der Weltwirtschaftskrise gerät die „Weserkauf“ in einen Abwärtssog – und verbucht 1931 einen Verlust von mehr als 22.000 Reichsmark. Die Mindener Genossenschaft schrumpft auf nur noch sieben Mitglieder. Erst als Georg Teichmann 1936 Geschäftsführer wird, geht es für die EDEKA Minden wieder bergauf. Doch der Zweite Weltkrieg bringt neue Belastungen für die EDEKA-Familie mit sich: Kaufleute und Genossenschaftsmitarbeiter müssen an die Front, im Bombenkrieg werden Lager und Geschäfte zerstört. Nach Kriegsende bessern sich die Zeiten vorerst nicht. Hunger und Plünderungen bestimmen den Alltag der Genossenschaften und erschweren den Kaufleuten damit zunächst den Wiederaufbau.

EDEKA Minden Lagerräume Zentrale Ringstraße 1953. Foto: PR

Die Wirtschaftswunderjahre

In den Wirtschaftswunderjahren erlebt die EDEKA Minden einen rasanten Aufschwung – und verbucht zum Teil zweistellige Zuwachsraten. Gleichzeitig ändert sich einiges in den Geschäften: Immer mehr EDEKA-Kaufleute stellen auf Selbstbedienung um und bieten Tiefkühlkost an. 1961 schließt sich die EDEKA Minden mit der EDEKA Osnabrück zusammen und wagt im Jahr darauf den Sprung ins Großverbrauchergeschäft: 1962 eröffnet in Bad Oeynhausen der erste C+C-Markt der Genossenschaft. Im Einzelhandel folgt 1968 das in Eigenregie betriebene „City-Einkaufszentrum“ in Herford. Zwei Jahre später hat die EDEKA Minden-Osnabrück doppelt Grund zu feiern: 50 Jahre nach ihrer Gründung erzielt sie 1970 erstmals über 250 Millionen D-Mark Umsatz – und ist damit unangefochtene Nummer eins im EDEKA-Verbund.

EDEKA Minden Wittelsbacherallee Fuhrpark 60-, 70er-Jahre. Foto: PR

Ein neuer Trend zieht ein. Zwischen 1958 und 1964 steigt im EDEKA-Verbund der Anteil an SB-Läden von 17 auf 30 Prozent. Bei der EDEKA Minden-Osnabrück ist 1964 bereits jedes zweite Geschäft ein SB-Markt. Hand in Hand mit der Umstellung auf SB geht die Ausweitung des Sortiments. Nach der „Fresswelle“ in der ersten Hälfte der 1950er-Jahre rückt nun manch ein Bundesdeutscher seinem „Wohlstandsbauch“ mit Diätprodukten, wie Cornflakes und Leinsamen, zu Leibe. Daneben haben frisches Obst und Gemüse Hochkonjunktur, vor allem Südfrüchte wie Bananen. Als eine der ersten Genossenschaften verfügt die EDEKA Minden 1956 über eine entsprechende „Spezial-Abteilung“.

Erster NP Markt Osnabrück 1973. Foto: PR

1962 betritt die frisch fusionierte EDEKA Minden-Osnabrück gleich zweimal Neuland: In Bad Oeynhausen eröffnet der „MIOS-Großhandel“, der erste Cash-and-Carry-Markt (C+C-Markt) der Genossenschaft, in dem sich unter anderem Großkunden aus der Gastronomie und Hotellerie sowie Betreiber von Tankstellen, Kiosken und Krankenhäusern eindecken können. Im selben Jahr entsteht mit dem „MIOS Discounthaus“ in Minden erstmals ein 180 Quadratmeter großer Gemeinschaftssupermarkt, an dem neben der EDEKA Minden-Osnabrück 20 Kaufleute beteiligt sind. Der Erfolg gibt der Genossenschaft recht: Mit einem Jahresumsatz von 96 Millionen D-Mark steht sie 1963 auf Platz eins im EDEKA-Verbund.

TK Truhen Selbstbedienung. Foto: PR

Zeit der Fusionen

Der Zusammenschluss zur EDEKA Minden-Osnabrück ist der Auftakt für weitere Fusionen auf dem Gebiet der heutigen EDEKA Minden-Hannover: 1964 verschmelzen die EDEKA Bremen und die EDEKA Delmenhorst, 1965 gehen die Genossenschaften in Hildesheim und Alfeld zusammen. Gleichzeitig entwickeln sich die Regionalgenossenschaften zu „Full-Service-Genossenschaften“, so die EDEKA Minden-Osnabrück in ihrem Jahresbericht 1965. Das heißt: Neben dem gemeinsamen Einkauf unterstützen sie die Mitgliedsgeschäfte bei der Ladengestaltung, der Buchhaltung sowie beim Bilanz- und Steuerwesen und pflegen den Kontakt zu den Verbrauchern. Ein besonderer Schwerpunkt ist die Werbung. 1964 investiert die EDEKA Minden-Osnabrück über 620.000 D-Mark in Reklame, unter anderem in Inserate in 21 verschiedenen Tageszeitungen und 250.000 Flugblätter.

EDEKA Fleisch Bedientheke. Foto: PR

Durch den Zusammenschluss zur EDEKA Minden-Hannover entsteht 1972 die mit Abstand größte EDEKA-Genossenschaft in der Bundesrepublik. Als mit Ölkrise und Rezession die goldenen Wirtschaftswunderjahre enden, eröffnet die EDEKA Minden-Hannover als Pionier im EDEKA-Verbund die ersten Discountmärkte. 1979 gelingt mit einem Umsatz von 1,038 Milliarden D-Mark der Sprung über die Milliardengrenze. Durch weitere Fusionen und Beteiligungen, unter anderem am Bäckereibetrieb Schäfer´s, entsteht ein breit aufgestellter Unternehmensverbund. Um den Austausch untereinander und mit den Kaufleuten zu fördern, finden ab 1985 wöchentliche Warenbörsen statt.

Edeka Hellwig Ortrand 11. Foto: PR

1989 – Beginn einer neuen Ära

Ende der 1980er-Jahre steigt die EDEKA Minden-Hannover bei der langjährigen Mitgliedsfirma Wilhelm Klages ein – und baut damit ihren Vorsprung weiter aus. Mit dem 9. November 1989 bricht eine neue Ära an: Voller Pioniergeist erschließen die Mindener den ostdeutschen Markt und nehmen nur wenige Wochen nach dem Mauerfall die Belieferung der ersten Geschäfte auf. In Sachsen-Anhalt entstehen in der Wendezeit zahlreiche EDEKA-Märkte, C+C-Betriebe, Lagerhallen und Produktionsstandorte für Bauerngut (Fleisch- und Wurstwaren) und Schäfer’s (Brot- und Backwaren) – und sorgen für ein rasantes Wachstum.

Im Jubiläumsjahr 1995 liegt der Umsatz bei 4,6 Milliarden D-Mark. Um nach dem Einstieg beim Berliner Supermarktbetreiber Reichelt das deutlich größere Absatzgebiet effektiv versorgen zu können, erarbeitet das Unternehmen Mitte der 1990er-Jahre das Neue Logistik-Konzept. An der Schwelle zum 21. Jahrhundert wächst die EDEKA Minden-Hannover weiter – und übernimmt unter anderem 78 V-Märkte der Wilhelm Klages KG. 2003 erhält die EDEKA Minden-Hannover ihr heutiges Gesicht: Durch die Fusion mit der EDEKA Nordwest und der EDEKA Berlin-Brandenburg wächst das Geschäftsvolumen um rund ein Drittel. Das neue Logistikkonzept mit seinen dezentralen Strukturen passt die logistischen Leistungen dem gewachsenen Unternehmen an. 2014 nimmt das Regionallager Lauenau den Betrieb auf. Im Vorjahr des 100-Jährigen erzielen die knapp 73.800 Mitarbeiter in den Verwaltungs- und Logistikstandorten, in den Produktionsbetrieben und in den rund 1.500 Märkten einen Umsatz von 9,79 Milliarden Euro. Das Unternehmen sieht sich gut aufgestellt. Mit 566 Genossenschaftsmitgliedern, modernen Märkten und Vertriebskonzepten blickt die EDEKA Minden-Hannover nach eigenen Angaben positiv in die Zukunft.

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