Ein Kunstprojekt in Minden und Porta Westfalica thematisiert die Menschenrechte. 15 Stelen an 15 Orten senden Botschaften und Signale. Was und wer steckt alles hinter dieser Idee?

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Waldemar Ziebeker sieht „die Werte bröckeln“. In unserer immer hemdsärmeliger werdenden Gesellschaft geraten nach seiner Ansicht die Menschenrechte stetig weiter in den Hintergrund. Dabei seien genau diese das Fundament für ein friedliches und würdevolles Miteinander auf der Welt. Gleichheit, Freiheit, das Verbot von Folter oder das Recht auf Leben seien zwar bekannte Begriffe, doch so richtig verinnerlicht seien sie in der Bevölkerung leider nicht mehr.
Zusammen mit seiner Frau Annette hat sich der Mindener einen Weg überlegt, wie die Menschenrechte wieder stärker in unser Bewusstsein dringen können. 15 Kunststelen, die der Metallkünstler Matthias Mauritz entworfen hat, stehen seit Anfang Mai an 15 Orten in Minden und Porta. Der „Pfad der Menschenrechte“ interpretiert diese aus Sicht von Kunst und Kultur. Ob Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, Schutz vor Verhaftung, Recht auf Arbeit, Bildung und gleichen Lohn oder die Unschuldsvermutung: Die auffälligen Exponate widmen sich an 15 Stationen den Werten der Menschlichkeit. Sie zeigen Gesichter des Zusammenlebens und weisen auch auf Missstände hin. Sie senden Botschaften, die aufklären, informieren oder auch ins Nachdenken bringen sollen. „Mit dem Fahrrad kann man den Pfad gut abfahren“, sagt Waldemar Ziebecker. Die Strecke misst insgesamt 42 Kilometer.
Strecke misst 42 Kilometer mit dem Rad
Das Ehepaar ist sehr gut vernetzt und verfügt besonders in der Kultur über viele Kontakte. Unterstützer fanden sich deshalb rasch und es zeigte sich im Laufe der Zeit, dass die Faszination aller Mitwirkenden kontinuierlich stieg. „Etwa ein Jahr brauchten wir als Vorlauf“, sagt Annette Ziebeker und Anfang Mai sollte im Fort A ein Auftaktfest für den „Pfad der Menschenrechte“ laufen. Corona hat diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht und die Initiatorin spricht offen von ihrer Enttäuschung. „Immerhin planen wir Veranstaltungen über den ganzen Sommer“, sagt sie. Diese sollen jeweils an den Stelen stattfinden. Inwieweit das durch Covid 19 noch klappt, bleibt deshalb abzuwarten. Der Pfad ist dennoch termingerecht eröffnet worden – im kleinen Kreis und mit großer Wirkung. „Wir haben schon viele Rückmeldungen bekommen“, sagt Annette Ziebeker. Nur gute.
Die Resonanz bestätigt das Ehepaar darin, das Wichtigste erreicht zu haben. Die Menschen setzen sich mit der Kunst auseinander und entdecken Werte wieder, die eigentlich selbstverständlich sind. Und womöglich könne es auch genau daran liegen, dass die Einhaltung der Menschenrechte für die meisten so normal geworden ist, dass sie aus diesem Grund aus dem Fokus geraten sind. „Auf jeden Fall rückt sie der Pfad ins Bewusstsein“, sagt Waldemar Ziebeker. Genau das ist die Absicht. Und der Mindener weiß, dass sich die Betrachter auf jeden Fall ihre Gedanken machen. Und das allein sei schon der Erfolg.
Infos über QR-Code in mehreren Sprachen
Der „Pfad“ richtet sich an alle. Jede Konfession ist angesprochen und auch Vereine, Unternehmen, Verbände oder Institutionen sollen sich mit ihm identifizieren können. Die Idee kam beispielsweise so gut an, dass sich der ADFC für geführte Radtouren bereit erklärte. Über einen QR-Code gibt es an den 15 Stelen direkte Infos aufs Smartphone – und das auch noch in unterschiedlichen Sprachen. „Sogar auf Plattdeutsch“, sagt Annette Ziebeker. Für sie, ihren Mann und alle weiteren Mitwirkenden sei es ein großartiges Teamerlebnis gewesen, wie dieses zeit- und kostenaufwendige Projekt realisiert wurde.
Waldemar Ziebeker hat die Stelen entworfen, die sich thematisch jeweils mit den 30 Artikeln der 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedeten Menschenrechtserklärung auseinandersetzen. Er, der eher auf Holz setzt, wählte dieses Mal Metall. „Das Projekt soll auf Dauer sein“, sagt er. Durchblicken lässt der Initiator auch, dass coronabedingte Absagen von Veranstaltungen locker nachgeholt werden können. Womöglich entstehen sogar noch weitere Formate, aber das sind momentan noch Gedankenspiele. Bei Materialkosten sind die Ziebekers in Vorleistung gegangen. Konkrete Summen werden nicht genannt, aber sei schon ein stolzer Betrag. Das Geld wurde zusammen mit dem Schauspieler Detlev Schmidt mit den Auftritten als „Die Vorleserin + Er“ gesammelt, die im Haus der Ziebekers im „Theater am Eck“ am Mindener Saarring/Ecke Kuthenhauser Straße laufen.
Alle weiteren Informationen zum „Pfad der Menschenrechte“ inklusive Programm und Adressen der Stelen findet Ihr im Internet.
www.theater-am-eck.de