Wer in den Annalen des Bürgerbataillons blättert, stößt auf Erstaunliches: Denn schon die Premiere des Events am 28. Juli 1682 wurde dort ausgerichtet.

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Alle zwei Jahre läuft das Mindener Freischießen – eine Veranstaltung, die für Tradition und Unterhaltung steht. Weit über die Stadtgrenzen ist sie bekannt und steigt in diesem Jahr von Donnerstag, 4. bis Sonntag, 7. Juli. Schon seit Wochen sind die Vorboten erkenbar, denn an vielen Stellen im Stadtgebiet ist es bereits rot und weiß geschmückt. Die 2019er-Auflage dürfte an die früheren locker anknüpfen und die Erfolgsgeschichte weiter schreiben. Das Freischießen gilt als das bedeutendste Fest in der Stadt.

Das Mindener FreischießenUmzug aufgrund von Bauarbeiten

Aufgrund der Bauarbeiten am Markt zog man auf den Simeonsplatz, wo sich das Bürgerbataillon um Stadtmajor Heinz Joachim Pecher einiges vorgenommen hat. Vier Tage steht die Stadt im Zeichen des Freischießens und es gibt jede Menge Programm. „Es wird ein richtiger Festplatz mit einer zentralen Rundbühne vor dem Preußenmuseum – das wird eine tolle Atmosphäre“, freut sich Andreas Brink, Leiter der Aufbaukommission, auf die Gestaltung. Und auch das Königsschießen zieht an einen neuen Ort – von der Rathaus-Tiefgarage in die Tiefgarage des Kreishauses gegenüber des Festplatzes. „Es ist fantastisch, dass der Kreis uns diese Möglichkeit bietet“, sagt Schießoffizier Wolfgang Lüdecke. Denn die Rathaustiefgarage steht aufgrund der Baumaßnahmen ebenfalls nicht zur Verfügung. Die besten Zehnen entscheiden wieder darüber, wer am Freitag gegen 20 Uhr vor dem Preußenmuseums zur neuen 1. und 2. Majestät gekrönt wird.

Das Mindener FreischießenAntreten zum Parademarsch Kanzlers Weide

Viele ältere Bürger werden sich daran erinnern können: Früher war Kanzlers Weide das Zentrum des Mindener Freischießens. Nach mehr als 30 Jahren der Abstinenz kehrt das Bataillon diesmal zurück. Der bekannte Platz an der Weser wird 2019 zum Antreten für den großen Parademarsch am Samstag dienen. Sicher ein toller Anblick für die vielen Schaulustigen. Nach dem Antreten auf Kanzlers Weide folgt der 3,5 Kilometer lange Parademarsch durch die Mindener Innenstadt, beginnend mit der Überquerung der Weserbrücke. Ein Bild, dass es seit dem Freischießen auf Kanzlers Weide im Jahr 1982 nicht mehr gegeben hat – und bei vielen wehmütige Erinnerungen aufleben lassen dürfte.

Trotz des Umzugs wird selbstverständlich auch die obere Altstadt nicht außen vorgelassen. Dort haben viele Freischießen-Liebhaber seit Jahren ihren Stammplatz. Die Marschwege führen die Einheiten über die die Weserbrücke durch die Bäckerstraße, den Scharn, über den Markt in die Obermarktstraße. In der Altstadt verläuft die Strecke dann unter anderem über die Ritterstraße, Kampstraße, Königswall, den Schwichowwall und dann auf den Simeonsplatz. Nach dem Parademarsch wird das Bataillon auf dem feierlich hergerichteten Festplatz eintreffen. „Wir sind selbst ein wenig gespannt, ob unser Konzept aufgeht“, blickt der Stadtmajor mit Vorfreude, aber auch etwas Anspannung auf das anstehende Fest.

Das Mindener FreischießenZapfenstreich zum Finale

Mit einer ganz besonderen und in der Region nur alle zwei Jahre beim Mindener Freischießen zu erlebenden Zeremonie wird das Fest beendet. Um 21 Uhr beginnt der traditionelle Zapfenstreich im Kerzenschein vor dem Preußenmuseum. Und auf dem Platz kehrt dann nach vier Tagen Jubel, Trubel und Heiterkeit wieder etwas Ruhe ein.

Das Königsschießen

Das Mindener FreischießenWer kann eigentlich König werden?

Berechtigt sind traditionell nur mindestens 18 Jahre alte männliche Mindener Bürger, Bataillonsangehörige, Mitglieder der befreundeten Vereine und der Bundeswehr-Patenkompanien und jeder Ehrengast, der mit dem Bataillon am Wachtag ausmarschiert ist.

Wie werden die Könige ermittelt?

Geschossen wird mit einem Kleinkaliber-Gewehr auf 50 Meter Entfernung. Jeder hat nur einen Schuss. Jeder Schütze wird namentlich erfasst und erhält eine Scheibennummer, mit der erst nach der anonymen Auswertung den beiden besten Zehnen die Schützen zugeordnet werden.
In der Regel bleiben bis zu acht von mehr als 400 Scheiben nach einer ersten Sichtprüfung der Schießkommission übrig, die meisten kommen ohnehin erst gar nicht zur Auswertung auf den Tisch. Hier sind die entscheidenden Millimeter Unterschied für das bloße Auge nicht mehr zu erkennen. An dieser Stelle kommt moderne Technik ins Spiel: Eine Auswertungsmaschine, etwa so groß wie ein Faxgerät, misst die Abweichung vom Zentrum der Zehn auf den tausendstel Millimeter genau und ermittelt die beiden Majestäten des Mindener Freischießens. Meistens sind die besten Schüsse nicht mal einen ganzen Millimeter vom Optimum entfernt.

Das Mindener FreischießenKönnen Bürgermeister und Stadtmajor König werden?

Allerdings! Denn der Bürgermeister ist automatisch oberster Dienstherr des Mindener Bürgerbataillons. Auch der Stadtmajor gibt selbstverständlich einen Schuss ab und kann König werden. „Ich weiß natürlich um meine Verpflichtungen als Stadtmajor und die ist für mich vorrangig. Wenn ich es werden würde, dann müssten wir umdisponieren. Das wäre sicherlich spannend“, sagt Stadtmajor Heinz Joachim Pecher.

Das Freischießen-Programm

Donnerstag, 4. Juli

17.30 Uhr:Ökumenischer Gottesdienst im Dom

18.45 Uhr: Eröffnung des Freischießens vor dem Preußenmuseum mit dem „Marsch des Stadtmajors“, gespielt vom Bürger-Tambourkorps

19.45 Uhr: Segnung der Fahnen in der Ratskirche (Martinikirche)

20.25 Uhr: Einbringen der Fahnen ins Preußenmuseum

21 Uhr: Serenade mit dem Bürger-Tambourkorps und dem Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr auf dem Simeonsplatz

Freitag, 4. Juli (Wachtag)

Einreffen der Einheiten vor dem Preußenmuseum
14 Uhr Eskadron
14.15 Uhr 3. Kompanie
15.15 Uhr 1. Kompanie
15.30 Uhr 2. Kompanie
15.45 Uhr 5. Kompanie
16.00 Uhr 4. Kompanie
16.15 Uhr 6. Kompanie und Junggesellen-Kompanie

14.45 – 18 Uhr Königsschießen in der Kreishaus-Tiefgarage
19.45 Uhr: Königsproklamation vor dm Preußenmuseum

Musik und Ausschank bis 1 Uhr

Samstag, 6. Juli (Paradetag)

Eintreffen der Einheiten auf Kanzlers Weide
11.05 Uhr 1. Kompanie
11.10 Uhr 6. Kompanie
11.15 Uhr Junggesellenkompanie
11.20 Uhr 3. Kompanie
11.25 Uhr 4. Kompanie
11.30 Uhr 5. Kompanie
11.35 Uhr 2. Kompanie
11.45 Uhr Eskadron

12.00 Uhr Abnahme der Paradeaufstellung mit etwa 1200 Personen durch Bürgermeister, Regierungspräsidentin, Landrat, Kommandeur des Panzerpionierbataillons 130 sowie Stadtmajor und seinen Adjutanten zu Pferde

12.15 Uhr Parademarsch durch die Mindener Innen- und Altstadt zum Simeonsplatz

15.30 Uhr Ratsempfang der Stadt Minden im Preußenmuseum

Ausschank und Musik bis 2 Uhr

Sonntag, 7. Juli

11.00 bis 11.45 Uhr Freiluft-Gottesdienst

12.30 bis 14.00 Uhr Platzkonzert

14.30 bis 18.00 Uhr Freischießen für Kids

18 Uhr Proklamation des neuen Kinderkönigs

17.30 Uhr Taufe neuer Tamboure im Bürger-Tambourkorps

21 Uhr Großer Zapfenstreich