Büchertipp September newsTödliches Verwechslungsspiel
Im August 1945, kurz nach Kriegsende, rettet Anna Witting im Konzentrationslager Bergen-Belsen ein etwa zweijähriges Mädchen, für dessen sterbende Mutter sie nichts mehr tun kann. Die Kleine wächst in einem Blankeneser Kinderheim auf. Siebenundsechzig Jahre später werden auf der kleinen Elbinsel Neßsand, einer Naturschutzinsel zwischen Hamburg und Niedersachsen, zwei stark verweste Leichen gefunden. Schnell stellt sich heraus, dass es sich um den Inselwart Hans Fröhlich und seine Frau Esther handeln muss, die seit einer Sturmflut 1976 als vermisst galten. Es war damals davon ausgegangen worden, dass sie Opfer der Sturmflut geworden seien. Doch nun ist klar: sie sind Opfer eines Verbrechens geworden. Kein leichter Fall für die beiden Ermittlerinnen Stella Brandes und Banu Kurtoglu. Ohnehin ist es schwer, nach vierzig Jahre alten Spuren und Erinnerungen zu suchen. Noch dazu scheinen jedoch die Bewohner des wohlhabenden Hamburger Treppenviertels in Blankenese, zu denen die Ermittlungen führen, weil die Fröhlichs dort Freunde und
Bekannte hatten, alle etwas zu verheimlichen. Deutlich wird: Ester Fröhlich ist das kleine, aus Bergen-Belsen gerettete Mädchen. Hat der Mord etwas mit ihrer Vergangenheit zu tun? Wo ist der kleine Sohn des Ehepaars geblieben und was bedeutet die Behauptung eines Anwohners, Esther Fröhlich nach 1976 noch gesehen zu haben? Eine spannende Geschichte, zwei sehr sympathische Ermittlerinnen und ein interessantes Ambiente.

„Elbleichen“ von Regine Seemann, Gmeiner Verlag Meßkirch, 281 Seiten, 12,00 Euro.

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Büchertipp September newsAußergewöhnliche Inseln
„Auf der Europakarte links oben“ – so heißt das erste Kapitel dieses kleinen Buches. Ein guter Tipp, denn es ist gar nicht so einfach, die achtzehn Inseln der Färöer auf Karten zu entdecken. Die kleine Inselgruppe liegt im Nordatlantik zwischen Island, Norwegen und Schottland, gehört zu Dänemark, hat aber ein eigenes Parlament, eine eigene Regierung, und es wird eine Sprache gesprochen, die nichts mit dem Dänischen zu tun hat. Es gibt mehr Schafe als Menschen dort, Natur ist im Überfluss vorhanden, aber auch ein ausgesprochen reiches kulturelles Leben. Journalist Peter Lachnit hat dort mehrere Monate gelebt, viele wunderbare Menschen kennengelernt und die unglaubliche Natur erkundet und stellt uns gemeinsam mit Heike Possert diese außergewöhnlichen Inseln vor. Er kommt dabei ganz ohne Fotos aus, denn es entstehen beim Lesen Bilder im Kopf. Wer sich für ungewöhnliche, wenig
bekannte Regionen interessiert und für ein paar Stunden in eine faszinierende Welt eintauchen möchte, sollte sich Zeit für dieses kleine, fesselnde
Büchlein nehmen. Vielleicht ergibt sich daraus ja sogar eine Idee für einen ganz besonderen Urlaub.

„Leserreise Färöer“ von Peter Lachnit und Heike Possert, Picus Verlag Wien, 132 Seiten, 15,00 Euro

Büchertipp September news„Leben auf dem Hausboot“
Bezahlbare Wohnungen in Großstädten zu finden, wird immer schwieriger. Diese Erfahrung mussten auch Jill und Ole Grigoleit vor ein paar Jahren
machen, als sie in Hamburg endlich zusammenziehen wollten. Aber für eine Studentin und jemanden, der sich gerade selbstständig gemacht hat, gibt es da keine Chance. Also hatte Ole Grigoleit eine ungewöhnliche Idee: ein altes, heruntergekommenes Boot in Eigenarbeit zum Hausboot umzubauen. Gute Voraussetzungen brachte er mit: nach einer Ausbildung zum Schiffsmechaniker hatte er schon eine Menge Erfahrungen im Bootsbau sammeln können. Inzwischen leben die Grigoleits schon seit sechs Jahren auf dem Hausboot in ihrem eigenen kleinen Hafen und haben zwei Kinder. Und inzwischen ist dieses Hausboot und diese Art des Lebens ihr großes Glück. Aber der Weg dahin war ganz schön abenteuerlich. Mit vielen Schwierigkeiten, Rückschlägen und auch Belastungen für die Beziehung, aber auch enormem Einsatz, Erfolgen, glücklichen Zufällen und Unterstützung. Und so liest sich auch dieses Buch außergewöhnlich lebendig und spannend von den ersten Seiten an. Bei der Lektüre vergisst man leicht sein Umfeld, also am besten im Urlaub lesen, denn so schnell möchte man es nicht wieder aus der Hand legen.

„Heimathafen“ von Jill und Ole Grigoleit, Ullstein Verlag Berlin, 206 Seiten, 15,00 Euro

Büchertipp September newsAbenteuer Alleinreisen
Allein verreisen? Ein Albtraum für mich, dann lieber gar nicht. Doch die Autoren und der Herausgeber dieses Buches sehen das völlig anders. Für Sie bedeutet Alleinreisen eine Menge: ein Gefühl der Freiheit, keine Rücksicht nehmen zu müssen, kein Korsett aus Plänen, sich selbst und seine Umwelt intensiver wahrzunehmen, leichter Kontakt mit Fremden finden zu können und vieles mehr. Und so nimmt uns Nadine Prange mit auf ihrer Flucht aus dem Alltag zu einer Reise in den Nahen Osten – Jordanien, Kuwait, Bahrain, Vereinigte Arabische Emirate, Oman, Katar. Philipp Laage berichtet von einem Aufenthalt an der Küste Kambodschas. Markus Steiner reist durch Myanmar. Ariane Kovac ist allein in Portugal unterwegs. Oleander Auffarth wandert für einige Monate auf einsamen Pfaden im äußersten Norden Indiens und Norah Steiner reist allein nach Südkorea. Die neunzehn Reiseberichte sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie unternehmen, und genauso unterschiedlich und faszinierend sind die Erfahrungen und Erlebnisse, die sie beschreiben. Für alle, die gerne ungewöhnliche Reiseberichte lesen, die sich gerne in fremde Welten entführen lassen oder die vielleicht selbst noch ein bisschen Ermutigung und Inspiration für eine eigene Solo-Reise suchen.

„Über die Lust am Alleinreisen“ Herausgegeben von Johannes Klaus, Malik Verlag München, 256 Seiten, 15,00 Euro

 

Cornelia Hoppe