Vierundfünfzig Jahre hat ihr Mann Jens Karin begleitet. Ihr Halt gegeben, sie umsorgt, ihr geholfen, ihre Ängste und Selbstzweifel zu kontrollieren und hat sich intensiv um die drei Töchter gekümmert und ihnen die Wärme gegeben, zu der Karin nicht in der Lage war.

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Doch nun hat er sie allein gelassen, ist überraschend gestorben. Damit kommt Karin nicht zurecht. Alte Ängste brechen wieder auf, sie isst kaum noch, vernachlässigt sich, Haushalt und Garten und findet keine Ruhe. Ihre Töchter sind keine Hilfe. Eher das Gegenteil: Die jüngste, Anne, fordert ihr Erbteil, die Älteste, Geli, möchte möglichst wenig mit ihrer Mutter zu tun haben und Imke, die ganz in der Nähe wohnt und sich um ihre Mutter kümmert, fängt an, in der Vergangenheit zu graben, weil sie ihrem Vater das Versprechen gegeben hat, nach seinem Tod nach Peter zu suchen, von dem niemand etwas zu wissen scheint.

Dadurch werden bei Karin die furchtbarsten Erinnerungen geweckt an Ereignisse, die aus einem lebenslustigen, warmherzigen und selbstbewussten jungen Mädchen eine zutiefst verunsicherte und abweisende Frau gemacht haben. Ereignisse, die sie bisher vor allen verbogen gehalten hatte. Die Familie droht zu zerbrechen. Ein ungemein aufwühlender, erschütternder, berührender und fesselnder Familienroman, der noch lange nachwirkt.
Cornelia Hoppe

„Die Schweigende“ von Ellen Sandberg

„Die Schweigende“ von Ellen Sandberg, Penguin Verlag München, 542 Seiten, 16,00 Euro