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 „Nichts ist gestellt“ – Gründer vom Handball Podcast “frei.vor” im Interview

Lennart Wilken-Johannes (25) lädt regelmäßig Handballer aus dem Mindener Raum zu einem Podcast ein

Foto: Stefanie Raulwing

Von Carsten Korfesmeyer

Es ist eine nette Plauderei zwischen zwei Menschen. Das Format heißt Podcast, wird per Mikro aufgezeichnet und dann ungeschnitten im Netz veröffentlicht. Immer mehr Fans stehen auf diese lockere Art eines Gesprächs, in dem es vor allem darum geht, den Interviewten als Typ kennenzulernen. Lennart Wilken-Johannes ist aktiver Handballer, kennt sich in der Szene aus und befragt regelmäßig Sportkollegen in seinem eigenen Podcast. Und die Zahl seiner Zuhörer wächst enorm.

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Lennart, der Begriff „Interview“ passt deiner Ansicht nach nicht zu deinem Podcast „frei.vor“. Warum?
Weil es kein klassisches Interview ist. Mir geht es darum, dass es super echt ist. Da wird nichts herausgeschnitten, sondern alles gebracht. Mein Podcast ist ein lockeres Gespräch zwischen zwei Leuten, das wie eine ganz normale Unterhaltung am Tisch abläuft. Es soll maximal authentisch und absolut nichts gestellt sein.

Das heißt, auch alle Versprecher oder Ähs werden gesendet?
Ja – und warum eigentlich nicht. Das passiert nun mal auch und ist doch gar nicht schlimm. In einem normalen Interview muss immer alles so perfekt sein. Dadurch verliert es aber mehr an Wirkung, als dass es gewinnt. Niemand ist perfekt und ich will nicht perfekt sein.

Foto: Stefanie Raulwing

Du willst den „Typ“ herausstellen. Wie meinst du das?
Mir geht es darum, den Menschen an sich in den Mittelpunkt zu stellen. Wie reagiert jemand in einem bestimmten Moment? Was für Sprüche haut er raus? Oder wie benimmt er sich? Das sind Fragen, auf die es in normalen Interviews keine Antworten gibt. Da wirken die Antworten eher aufgesetzt und mal ganz ehrlich: Auf manche der dort gestellten Fragen kann man sich die Antworten meist selbst geben.

Du nennst es eine Unterhaltung „wie beim Pils“. Aber du möchtet doch auch über Handball reden. Bleibt das nicht auf der Strecke?
Überhaupt nicht. In den Podcasts lernen wir den Handballer erst richtig gut kennen und bekommen Einblicke in sein Leben, wie wir es in anderen Interviews nicht bekommen können. Mir hat ein Trainer zum Beispiel mal erzählt, wie gern er seinen ersten Döner aus Versehen inklusive Papier gegessen hat. Mal ehrlich: in welchem normalen Interview würde das gesendet oder gedruckt. Dabei ist das doch total interessant, so was zu wissen.

Lennart Wilken-Johannes mit Handball-
Experte und news-Kolumnist Carsten
Dehne. Fotos: Stefanie Raulwing

Wo führst du die Podcasts denn?
Bei mir zu Hause im Wohnzimmer. Zwei Mikros, Laptop – das ist alles. Mir geht es auch darum, eine private Atmosphäre zu haben.

In deinen Podcasts wird viel gelacht und man hat das Gefühl, als reden zwei Freunde. Nicht jeder eignet sich doch zum Podcast, oder?
Also, mit den Leuten, mit denen ich bislang Podcasts gemacht habe, hat das super geklappt. Die waren alle absolut locker drauf und es hat auch allen Spaß gemacht. Natürlich sind das meist keine ernsten Themen, über die wir sprechen und es sind immer Personen, die ich mir selbst aussuche und oft gut kenne. Ich will ja auch, dass es mir Spaß macht.

Es sind immer Personen, die etwas mit Handball zu tun haben?
Ja, und sie müssen auch in irgendeiner Weise einen Minden-Bezug haben. Und sie müssen Typen sein, die dann auch bereit sind, sich auf mich einzulassen. Ich lade nicht jeden ein.

Foto: Stefanie Raulwing

Fallen dir die Fragen immer spontan ein?
Ja, das ist alles ganz spontan. Spontaneität ist ja das, worauf es ankommt. Dadurch wirkt es ja erst echt. Eine Vorbereitung gibt es auf die Podcasts kaum. Aber natürlich weiß ich, mit wem ich rede.

Bislang machst du die Podcasts so nebenbei. Schon mal daran gedacht, damit Geld zu verdienen?
Ich mache die Podcasts ja nicht, um damit mein Geld zu verdienen. Ich mache sie deshalb, weil ich als Handballer viel Spaß daran habe, mit Leuten aus meinem Sport zu reden. So ist das entstanden und es gefällt mir so, wie es ist. Aber es sind auch schon Leute an mich herangetreten, die mich gefragt haben, ob ich regelmäßig Podcasts für sie machen könnte. Ich will das für die Zukunft nicht ausschließen, allerdings ist es dann Voraussetzung, dass diese Podcasts weiter meine Handschrift tragen. Das muss ich sein. Ich verstelle mich nicht.

Info:
Instagram: frei.vor
Facebook: frei.vor
Hören kann man den Podcast bei Spotify, Apple Podcast und Anchor.FM

Hintergrund:

Lennart Wilken-Johannes ist 25 Jahre alt. 2014 hat er am Mindener Besselgymnasium sein Abitur gemacht und arbeitet als E-Commerce-Manager bei Melitta in Bremen, wo er für die digitalen Verkaufswege zuständig ist. Schon seit seiner Geburt ist der Hahler Mitglied beim TSV Hahlen, wo er aktuell in der ersten Mannschaft im Tor steht. Der Handball-Podcast läuft seit November meist 14-tägig an einem Montag. Die Gespräche werden aufgezeichnet und dann im Netz veröffentlicht. Ein Podcast lief sogar live bei Facebook – der mit Bundesliga-Handballer Carsten Lichtlein, der bei GWD Minden im Tor steht.